Die Orgel im Dialog: L' Arte del Cornetto
Konzert
Montag, 8. Juli 2019, 19:30 Uhr
Josué Meléndez, Zink
Bork-Frithjof Smith, Zink
Ekaterina Kofanova, Orgel
Werke von da Viadana, S. Rossi, Salvatore, Fontana, M. Rossi, Cesare, Bovicelli, Barbarino, Cazzati, Muffat, Weckmann, Rè, Merula
Konzertprogramm
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Lodovico da Viadana |
aus Canzon Francese in risposta |
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Salomone Rossi |
Sonata in Dialogo detta la Vienna |
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Giovanni Salvatore |
Canzone francese seconda, del Nono Tuono naturale |
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Giovanni Battista Fontana |
Sonata undecima à 2 |
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Michelangelo Rossi |
Toccata settima |
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Gio. Martino Cesare |
Echo, 3 Cornetti ò Violini |
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Giovanni Battista Bovicelli |
„Io son ferito ahi lasso“ |
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Bartolomeo Barbarino |
„Ave dulcissima Maria“ |
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Maurizio Cazzati |
Passacaglio |
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Georg Muffat |
Toccata duodecima et ultima |
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Matthias Weckmann |
10. Sonata |
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Benedetto Rè |
Canzona à 4 Accomodata a suonare a duoi chori Catterina Assandra |
Konzertinformationen
Im Italien des ausgehenden 16. Jahrhunderts finden tiefgreifende Umwälzungen in der Musik – von der Polyphonie zur Monodie – statt, die sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte auch nördlich der Alpen verbreiten. Zu jener Zeit war der Zink (ital. Cornetto), ein hölzernes Blasinstrument mit einem kleinen Kesselmundstück, das Virtuoseninstrument schlechthin. So beschreibt es Girolamo dalla Casa als das „von allen Blasinstrumenten am besten geeignete, um die menschliche Stimme zu imitieren“. Zinkenisten wie dalla Casa improvisierten – zum Teil aus dem Stegreif – hochvirtuose Oberstimmen über bekannte Motetten und Madrigale und trugen damit in grossem Masse zur Emanzipation der Instrumentalmusik bei. Es war auch durchaus üblich, Vokalstimmen dem Zink zu übertragen, wie z.B. in der Solomotette „Ave dulcissima Maria“ von B. Barbarino, einem ausserordentlich talentierten Sänger und Verfechter des neuen monodischen Stils (Musik für eine Solostimme, begleitet vom instrumentalen Bass, s.g. basso sontinuo). Der erste bedeutende Komponist, der die damals neuentwickelte Technik des bezifferten Basses einsetzte, war L. da Viadana, der älteste Komponist im heutigen Programm, dessen Wirken in die Übergangszeit zwischen Renaissance und Barock fällt.
In diesem Programm werden verschiedene, an die flämische Doppelchörigkeit angelehnte Formen des musikalischen Gesprächs zusammen mit der Orgel präsentiert: Sonaten und Canzonen „in dialogo“, „in risposta“ (in einer Art Streitgespräch) oder einfach als Echo. Die instrumentale Canzona hat ihren Ursprung in der Vokalpolyphonie, und zwar in dem französischen Chanson, was sich in ihrer italienischen Bezeichnung „canzone francese“ wiederspiegelt. Ein typisches Anfangsmotiv beginnt mit einer Tonwiederholung, wie in den Canzone Francese von L. Viadana, G. Salvatore oder in der Sonata à 3 von M. Weckmann. Zuerst eine einfache Übertragung der Vokalmusik auf Tasteninstrumente oder ein Ensemble, entwickelte sich die Canzona im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einer selbständigen instrumentalen polyphonen Form, die letztendlich in die Form der Fuge mündete.
Neben der Canzona bleibt die Sonate die wichtigste genuine Gattung der Instrumental-musik. Einer der Pioniere auf dem Gebiet der neuen Barockformen, wie der Triosonate, war Salomone Rossi, damals führender jüdischer Komponist und Violinist in Italien. Als der „einzigartigste Virtuose des Violinspiels“ wird sein Zeitgenosse G. B. Fontana gepriesen. Allerdings sind Sonaten von Fontana, wie auch viele andere ähnliche Sammlungen aus der Zeit, nicht ausschliesslich für Violine, sondern „per il violino, o cornetto, fagotto…“ bestimmt, was auf eine gewisse Freiheit in der Auswahl der Besetzung hindeutet. Genauso kann die hochspannende Toccata von M. Rossi, berühmt unter anderem für den kühnen Umgang mit Dissonanzen, gleichermassen auf einer Orgel oder einem Cembalo gespielt werden. Hingegen sind Toccaten von G. Muffat, der bereits eine Türe zum Hochbarock öffnet, explizit für eine Aufführung auf der Orgel bestimmt.
Über die Musizierenden
Josué Meléndez

begann seine musikalischen Studien in Costa Rica am Conservatorio Castella. Von 1991-1996 studierte er an der Escuela Nacional de Música, Universität von Mexiko und gründete das erste Festival für Alte Musik Mexikos; Festival Santo Domingo de Música Antigua, wo er L’Orfeo von Claudio Monteverdi und viele andere Projekte dirigierte. 1997 zog Josué nach Den Haag, wo er zwei Blockflöten-Diplome am Koninklijk Conservatorium abschloss, darunter eines mit Auszeichnung für Neue Musik. Von 2002 bis 2006 studierte er Zink an der Schola Cantorum Basiliensis bei Bruce Dickey. Seitdem arbeitet er als Zinkenist und Blockflötist weltweit in Konzerten und CD Aufnahmen mit führenden Ensembles der Alten Musik, wie Concerto Palatino, La Fenice, Les Cornets Noirs, Musica Fiata, Oltremontano, Nederlandse Bach Vereniging und mit renommierten Dirigenten wie Ton Koopman, Jordi Savall, Gabriel Garrido, Rinaldo Alessandrini, Claudio Cavina, Phillip Herreweghe, Paul van Nevel, Thomas Hengelbrock, Sigiswald Kuijken u.a. Josué Meléndez ist Spezialist für barocke Improvisation und unterrichtet an der Hochschule für Musik Trossingen und den Sommerakademien von Nepi und Urbino.
Bork-Frithjof Smith

geboren in Hannover, begann seine musikalische Ausbildung auf der Blockflöte, dem Violoncello und der Trompete im Alter von fünf Jahren. Als Zwölfjähriger entdeckte er den Zink, der nach und nach zu seinem Hauptinstrument wurde. Er studierte an der Schola Cantorum Basiliensis Alte Musik mit Hauptfach Zink bei Bruce Dickey und erhielt 1999 sein Diplom. 1997 gründete er zusammen mit Gebhard David das Ensemble Les Cornets Noirs. Bork-Frithjof Smith spielt seit Jahren mit vielen bekannten Gruppen für Alte Musik wie Akadêmia, Concerto Köln, Musica Fiata, Huelgas Ensemble, His Majesty's Sagbutts & Cornetts, Weser-Renaissance, L'Arpeggiata, La Petite Bande und Concerto Copenhagen oder bei den bedeutendsten Festivals in ganz Europa und Israel, in Nord- und Südamerika. Mehr als 60 CD-Einspielungen bei verschiedensten Labels dokumentieren seine bisherige Laufbahn. Seit 2008 unterrichtet Bork-Frithjof Smith Zink und Diminution an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen. Ab September 2017 hat er die Nachfolge von Bruce Dickey als Dozierender für Zink/Cornetto an der Schola Cantorum Basiliensis angetreten.
Ekaterina Kofanova
wurde 1973 in Minsk (Belarus) geboren und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Ihre vielseitige musikalischeAusbildung erhielt sie am Musiklyzeum ihrer Heimatstadt, welches sie 1991 mit Auszeichnung abschloss. 1991 bis 1999 studierte Ekaterina Kofanova Musikwissenschaft (u.a. bei Prof. Dr. Inna Barsova) und Orgel bei Prof. Alexei Parschin am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau. Nach ihrer Promotion erhielt Ekaterina Kofanova einen Lehrauftrag für Musikgeschichte und Orgel an der Musikakademie in Minsk und eine Stelle als Organistin an der Belarussischen Staatlichen Philharmonie. Ekaterina Kofanova setzte ihr Orgelstudium bei Prof. Martin Sander an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg fort. Dort schloss sie ihr Solistendiplom mit Auszeichnung ab und absolvierte ihr kirchenmusikalisches Studium (A-Diplom). Anfang 2009 wurde sie zur Kirchenmusikerin und Leiterin der Konzertreihe an der Friedenskirche in Bern gewählt. Seit März 2016 ist Ekaterina Kofanova Titularorganistin an der Peterskirche Basel und künstlerische Leiterin des Orgelvereins St. Peter.
Als Organistin übt Ekaterina Kofanova eine rege Konzerttätigkeit in Deutschland, in der Schweiz sowie anderen europäischen Ländern aus. Sie nahm an Meisterkursen namhafter Interpreten teil und erhielt Auszeichnungen bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben. Ausserdem ist sie als Kammermusikerin, Continuospielerin und Chorleiterin aktiv.
Eintritt frei, Kollekte




