Die Orgel im Dialog mit der Oboe
Konzert
Montag, 6. Juli 2020, 19:30 Uhr
Heinz Holliger, Oboe
Babette Mondry, Orgel
Anita Leuzinger, Violoncello
Werke von JS Bach, Händel, Alain, Wyttenbach, Kurtág, Messiaen, Telemann
Konzertprogramm
Konzertinformationen
Es erfüllt mich mit Freude, wieder zusammen mit Babette Mondry in der so vertrauten Peterskirche musizieren zu können.
Ich glaube, dass das farbenreiche Programm bei neugierigen Menschen keiner besonderen Fürsprache bedarf: J. S. Bach neben Olivier Messiaen und dem im Zweiten Weltkrieg getöteten Jehan Alain, dem Bruder der Organistin Marie-Claire Alain. Zwei der populärsten Barocksonaten für Oboe neben zwei heutigen Werken, die mit Basel eng verbunden sind: ...ein Briefaus der Ferne an Ursula... hat der grösste lebende Komponist György Kurtág als letzten Gruss meiner Frau Ursula Holliger geschrieben. Wenige Tage danach ist das Werk bei der Bestattungsfeier für Ursula Holliger, der das Wohlergehen der Petersgemeinde innigstes Anliegen war, Klang geworden. Der langsame Satz, Adagio dolente, aus Jürg Wyttenbachs Solosonate erklingt im Gedenken an die am 18.4.2020 verstorbene Janka Wyttenbach-Brun.
Heinz Holliger
Es ist für mich eine Ehre, zusammen mit Heinz Holliger dieses heutige Konzert zu spielen. Ich möchte einige wenige Einstimmungen in die Orgelwerke geben.
Jehan Alain schreibt zu „Le Jardin suspendu" „Der hängende Garten ist des Künstlers immer wieder gesuchtes, doch ungreifbares Ideal, seine unzugängliche und unantastbare Zufluchtsstätte". Johann Sebastian Bach's Pièce d'orgue bildet mit ihren Teilen einen musikalischen Dreischritt. Die französischen Satztitel deuten auf Bach's Beschäftigung mit französischer Musik. Mit „Les oiseaux et les sources" ehrt Olivier Messiaen den Gesang der Vögel und das Wasser - zum Ende des Satzes eröffnet sich ein Raum ins Unendliche durch den Zusammenklang der tiefsten und höchsten Klänge der Orgel. In Bach's Fantasie g-Moll begegnen sich zwei Affekte: ein dramatischer im Orgelpleno und ein lyrischer mit kontrastierenden Registern. Beim Hören der Fuge mit ihrer Verve im Thema, mit ihrem geballten Kontrapunkt und dynamischem Aufbau kann man das Gefühl bekommen, dass jede Strenge und Schwere mit guten Fügungen in Leichtigkeit gelöst werden kann.
Babette Mondry
Über die Musizierenden
Heinz Holliger

wurde 1939 in Langenthal im Kanton Bern geboren. Er studierte in Bern, Paris und Basel die Fächer Oboe (bei Émile Cassagnaud und Pierre Pierlot), Klavier (bei Sava Savoff und Yvonne Lefébure) sowie Komposition (bei Sándor Veress und Pierre Boulez). Seine internationale Karriere als Oboist, die ihn in die grossen Musikzentren aller fünf Kontinente geführt hat, begann 1959, als er den Ersten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb in Genf gewann; 1961 siegte er überdies beim ARD-Musikwettbewerb in München – und feierte seinen Einstand bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern, dem heutigen LUCERNE FESTIVAL. Heinz Holliger hat die spieltechnischen Möglichkeiten seines Instruments erweitert und setzt sich bis heute mit Nachdruck für die zeitgenössische Musik wie auch für weniger bekannte Werke ein. Zahlreiche Komponisten, unter ihnen Henze, Ligeti und Lutosławski, widmeten ihm neue Partituren. 1977 nahm Heinz Holliger seine Dirigentenlaufbahn auf, die ihn bald zu den renommiertesten Orchestern brachte, zu den Berliner und den Wiener Philharmonikern etwa, zum Cleveland Orchestra, zum Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam oder zum Philharmonia Orchestra. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn auch mit dem Chamber Orchestra of Europe. Mit seinem eigenen Schaffen präsentierte sich Heinz Holliger 1998 als «composer-in-residence» bei den IMF Luzern. 2002 wurde seine Oper Schneewittchen in Zürich uraufgeführt, und dort kamen im Frühjahr 2018 auch seine Lenau-Szenen Lunea heraus. Holliger wurde mit zahlreichen Preisen gewürdigt, darunter der Sonning-Musikpreis (1987), der Frankfurter Musikpreis (1988), der Siemens-Musikpreis (1991), der Premio Abbiati der Biennale di Venezia (1995), der Zürcher Festspielpreis (2007) und zuletzt der Robert-Schumann-Preis (2017). Seit 2016 ist er Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.
Babette Mondry
spielte Konzerte an Festivals und Konzertreihen wie Toulouse les Orgues, dem Festival d'Orgue Baroque de Guibray, in der Minato Mirai Hall Yokohama, dem Orgelfestival Magadino, dem Barockzentrum Bern, am Zürcher Grossmünster, an den Kathedralorgeln in Genf, Bern und Riga und Haarlem, sowie an historischen Orgeln Brasiliens. Programme mit Andreas Scholl, Nuria Rial, Maria Cristina Kiehr, Arianna Savall und Petter Udland, Maya Boog, Eva Oertle, Heinz Holliger, Ursula Holliger, Kyoshi Kasai, capriccio Basel, dem Basler Gesangverein, dem RegioChor u.a. . Ihr breites Repertoire umfasst auch Orgelparts sinfonischer Chor- und Orchesterwerke. Zusammen mit Barbara Schneebeli bei Orgelkonzerten für Kinder aktiv. Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und an der Musikhochschule Basel in der Konzertklasse von Guy Bovet. Kurse bei Marie-Claire Alain, Montserrat Torrent, Harald Vogel, Gerd Zacher. 1996 Finalistin am Bachwettbewerb Luzern. Radio- und CD-Aufnahmen. Von 1999 -2015 Organistin an der J. A. Silbermann/Lhôte-Orgel der Peterskirche Basel, betreute dort u.a. die Universitätsgottesdienste und leitete eine vielfältig gestaltete Konzertreihe. Unterrichtstätigkeit an der JMS Dornach. Seit 2015 als freischaffende Organistin sowie als künstlerische Leiterin in Musikprojekten, u.a. im Cours d'Interprétation d'Orgue de Romainmôtier tätig.
Anita Leuzinger

wurde in der Nähe von Zürich geboren. Sie studierte bei Thomas Grossenbacher und bei Thomas Demenga. Einen grossen Einfluss auf sie hatte auch der ungarische Pianist Ferenc Rados. Im Juni 2008 gewann Anita Leuzinger den renommierten Naumburg-Wettbewerb in New York. Bereits mit 23 Jahren wurde die junge Künstlerin Solocellistin des Tonhalle-Orchesters Zürich. Ihr Teilzeitpensum erlaubt es ihr, sich intensiv ihrer kammermusikalischen Leidenschaft zu widmen und ihre Solokarriere zu verfolgen. Seit mehreren Jahren spielt sie im festen Duo mit dem Pianisten Anton Kernjak. Eine regelmässige Zusammenarbeit verbindet sie auch mit Heinz Holliger. Bei ECM erschien ihre erste CD 'Aschenmusik' mit Werken von R. Schumann und H. Holliger. Vermehrt übernimmt sie auch pädagogische Aufgaben, und seit Oktober 2007 ist sie Assistentin von Thomas Demenga an der Musikhochschule Basel.
Eintritt frei, Kollekte



