Musik gegen den Krieg
3. Orgelnacht - Die Rimini-Orgel
Freitag, 29. April 2022, 18 – 22 Uhr
Kurzkonzerte im Halbstundentakt
Ekaterina Kofanova, Joachim Krause, Tobias Lindner, Nicoleta Paraschivescu, Gregor Simon, Matthias Wamser, Orgel
Inspiriert von der Geschichte der Rimini-Orgel, spielen Basler Organist*innen eine Reihe von Kurzkonzerten, die verschiedene Aspekte des Themas Krieg und Frieden beleuchten. In der aktuellen Situation, in der die Friedensordnung in Europa in Frage gestellt und akut bedroht wird, wollen auch wir als Musikerinnen und Musiker verschiedener Nationen ein Zeichen für Völkerverständigung und Frieden setzen.
Die Rimini-Orgel
EINE KLEINE ORGEL SCHREIBT GROSSE GESCHICHTE
Was tun Menschen, die eine Katastrophe knapp überlebt haben? Menschen, wie die deutschen Kriegsgefangenen in einem britischen Lager in der Näher der schönen italienischen Stadt Rimini im Frühsommer 1945. Menschen, die in Erdlöchern hausen, kaum etwas zu Essen haben, nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen wissen, schwer traumatisiert sind und noch dazu pauschal als Feinde gelten, auch wenn bei Weitem nicht alle freiwillig in diesen Krieg gezogen sind. Sie tun etwas auf den ersten Blick Absurdes und absolut unglaubliches: Sie bauen eine Orgel!
Mai 1945: 150‘000 deutsche Soldaten kommen in das Kriegsgefangenenlager Rimini-Belaria unter englisch-amerikanischer Leitung. Die Soldaten leben erbärmlich in selbst gebuddelten Erdlöchern in der Hitze am Strand von Rimini. Die tägliche Essensration beträgt ein Brot für 12 Mann. In dieser bedrückenden und scheinbar so ausweglosen Situation finden zwei Orgelbauer zusammen und beschliessen, unterstützt von einem Lagerpfarrer, eine Pfeifenorgel zu bauen. Alte Konservendosen werden zu Orgelpfeifen, Holzkästen werden zu Windladen und Gehäuse verarbeitet, Stahldraht zu Abstrakten, alte Stiefelschäfte zu Dichtungen von Ventilen und Windladen. Unter den Gefangenen sind zahlreiche Handwerker, Künstler und Architekten und nach und nach findet sich eine Gruppe von bis zu 12 Mitarbeitern zusammen.
Nach drei Monaten und 3600 Arbeitsstunden, am Freitag, dem 13. September 1945, erklingen um 20.15 Uhr die ersten Töne der Orgel. Sie steht im Freien am Strand, kunstvoll zusammengefügt aus handgesägten Latten und Brettern, zwei Flügeltüren rechts und links mit einem grossen, überragenden Kreuz in der Mitte: ein Kunstwerk aus Kriegsabfällen. Ein Organist komponiert eigens für die Einweihung ein Konzert, der grosse 1000-Mann starke Männerchor singt, und der Pfarrer spricht bewegende Worte: „Lasst uns an der Orgel ein Beispiel nehmen! Die Pfeifen der Orgel, kleine und grosse, alle klingen miteinander, jeder gibt sein Bestes und trägt miteinander zum Gemeinsamen bei.“
Der Klang der Orgel veränderte die Menschen und das Lagerleben. Die Harmonie übertrug sich auf die Gefangenen und auf die Bewacher, und es entstand eine friedliche Atmosphäre. In einem Zeitungsbericht von 1945 lesen wir: „Prunkstück der ganzen Lagerstadt mehr als nur ein Stück Robinson-Romantik. Ist diese Orgel aus Konservenblech und altem Schuhleder nicht ein Zeugnis dafür, dass selbst Schrecken und Nöte vieler Kriegsjahre nicht imstande sind, die uralte Sehnsucht der Menschen nach Schönem und Edlem abzutöten? Und jene, welche am Menschengeschlechte verzweifeln wollen, mögen daraus neue Mut schöpfen, um an das Gute im Menschen zu glauben“. Quelle: www.rimini-orgel.de
Konzertprogramm
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18.00 Uhr: Joachim Krause, Organist an der Heiliggeistkirche Basel
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18.30 Uhr: Nicoleta Paraschivescu, Organistin an der Theodorkirche Basel |
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| Alessandro Scarlatti (1660-1725) | Toccata: Grave Per L’organo – Allegro – Presto – Fuga | ||||||||||
| Bernardo Storace (um 1637 - um 1707) | Passacaglia a-Moll | ||||||||||
| Jehan Alain (1911-1940) | Lamento | ||||||||||
| Johann Sebastian Bach (1685-1750) | Präludium g-Moll BWV 535, „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV 641 (aus dem "Orgelbüchlein"), Fuge g-Moll BWV 535 | ||||||||||
| 19.00 Uhr: Das Friedenswunder. Pfr. Benedict Schubert erzählt die Geschichte der Rimini-Orgel | |||||||||||
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19.30 Uhr: Gregor Simon, Münster Obermarchtal (DE) |
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| Daniel Roth (*1942) | Christus factus est (2012) - in memoriam Albert Schweitzer | ||||||||||
| Gregor Simon (*1969) | Suite sur le nom de Daniel Roth (2021) | ||||||||||
| Théodore Dubois (1837-1924) | In paradisum (aus „Douze Pièces pour orgue“, 1889) | ||||||||||
| Daniel Roth | Évocation de la Pentecôte | ||||||||||
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20.00 Uhr: Ekaterina Kofanova, Titularorganistin an der Peterskirche Basel |
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| Jehan Alain (1911-1940) | Litanies (1937) | ||||||||||
| Charles Villiers Stanford (1852-1924) | Sonata eroica op. 151, 1. Satz „Rheims“ (1917) | ||||||||||
| Maurice Duruflé (1902-1986) | Prélude et Fugue sur le nom d’Alain op. 7 (1942) | ||||||||||
| 20.30 - 21.00 Uhr: Pause mit Apéro | |||||||||||
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21.00 Uhr: Matthias Wamser, Organist an der kath. Kirche St. Anton Basel |
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| Johann Sebastian Bach | Praeludium d-Moll BWV 539/1 | ||||||||||
| Tilo Medek (1940 – 2006) | Choralspiel für Orgel „Verleih‘ uns Frieden gnädiglich“ (1 | ||||||||||
| Johann Sebastian Bach | Fuge d-Moll BWV 539/2 | ||||||||||
| Ernst Pfiffner (1922 – 2011) | Choral-Fantasie „Verleih‘ uns Frieden gnädiglich“ (1960/61) | ||||||||||
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21.30 Uhr: Tobias Lindner, (Professor an der Schola Cantorum Basiliensis) |
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| Alessandro Poglietti (1683 in Wien ermordet) | Toccata fatta sopra L’Assedio (1676) | |
| Thomas Tomkins (1571-1656) | A sad Pavan for these distracted times (February 14, 1649) | |
| Hans Buchner (1483-1538) | „Et in terra pax hominibus“ | |
| Anonym | Pavana Lachrymae | |
| António Correa Braga (17. Jh.) | Batalha de 60 tom | |
| Jean Langlais (1907-1991) | Chant de paix (1945) | |
Über die Musizierenden
Ekaterina Kofanova
geboren 1973 in Minsk (Belarus) wuchs in einer Musikerfamilie auf. Ihre vielseitige musikalische Ausbildung erhielt sie am Musiklyzeum ihrer Heimatstadt, welche sie 1991 mit Auszeichnung abschloss. 1991 bis 1999 studierte Ekaterina Kofanova Musikwissenschaft (u.a. bei Prof. Dr. Inna Barsova) und Orgel bei Prof. Alexei Parschin am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau. Nach ihrer Promotion erhielt Ekaterina Kofanova einen Lehrauftrag für Musikgeschichte und Orgel an der Musikakademie in Minsk und eine Stelle als Organistin an der Belarussischen Staatlichen Philharmonie. Ekaterina Kofanova setzte ihr Orgelstudium bei Prof. Martin Sander an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg fort. Dort schloss sie ihr Solistendiplom mit Auszeichnung ab und absolvierte ihr kirchenmusikalisches Studium (A-Diplom). Anfang 2009 wurde sie zur Kirchenmusikerin und Leiterin der Konzertreihe an der Friedenskirche in Bern gewählt. Seit März 2016 ist Ekaterina Kofanova Titularorganistin an der Peterskirche Basel und künstlerische Leiterin des Orgelvereins St. Peter. Als Organistin übt Ekaterina Kofanova eine rege Konzerttätigkeit in Deutschland, in der Schweiz sowie anderen europäischen Ländern aus. Sie nahm an Meisterkursen namhafter Interpreten teil und erhielt Auszeichnungen bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben. Ausserdem ist sie als Kammermusikerin, Continuospielerin und Chorleiterin aktiv.
Joachim Krause
wurde in Fulda, Deutschland geboren, erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei seinem Vater, Kantor Max Krause. Von 1977 bis 1983 A-Kirchenmusikstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau. 1983/84 als Stipendiat des "Deutschen Akademischen Austauschdienstes" Orgelstudium bei Marie Claire Alain in Paris.
Seit 1984 ist Joachim Krause Kirchenmusiker an der Heiliggeist Kirche Basel.
Seit 1986 Dirigent des Basler Bach Chores. 1988 Gründungsmitglied und bis 2000 Dirigent des Kammerorchesters Concertino Basel. 1996 wurde Joachim Krause zum künstlerischen Leiter des traditionsreichen Gemischten Chores Zürich ernannt. Seit 2002 Dirigent des Vokalensembles „I Sestini“, das sich der Musik Claudio Monteverdis und seiner Zeit widmet.
Neben dem klassisch-romantischen Repertoire gilt sein besonderes Augenmerk der Musik unserer Zeit. Davon zeugen eine Vielzahl von Uraufführungen mit Orchester, Chor, Orgel und auch Oper.
Rundfunk- und Tonträgerproduktionen runden das Bild dieses vielseitigen Musikers ab.
Tobias Lindner

wurde 1975 in Deggendorf (Bayern) geboren. Ersten Orgelunterricht erhielt er von Wolfgang Riegraf und Roland Götz.
Im Rahmen seiner Ausbildung an der Fachakademie für katholische Kirchenmusik in Regensburg studierte er Orgel bei Karl Friedrich Wagner, anschliessend an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg/Breisgau bei Klemens Schnorr. Nach dem A-Examen in Freiburg setzte er seine Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis fort und schloss das "Diplom für Alte Musik“ mit Auszeichnung ab. Er studierte Orgel und Cembalo bei Andrea Marcon und Generalbass bei Gottfried Bach. Tobias Lindner besuchte fast 40 Kurse bei namhaften Vertretern der Orgelwelt, um möglichst vielen Facetten des Instruments und seiner Musik kennen zu lernen. Er ist Preisträger verschiedener internationaler Orgelwettbewerbe (Innsbruck, Brügge, Nürnberg, Landau). In den Jahren 2001 bis 2005 war er als Cembalist und Organist regelmässig beim Venice Baroque Orchestra unter der Leitung von Andrea Marcon verpflichtet.
Lindner ist seit 2002 hauptberuflicher Kirchenmusiker in Basel und hat an der dortigen Schola Cantorum Basiliensis einen Lehrauftrag für Generalbass und Cembalo. Von 2004 bis 2016 war er Lehrbeauftragter für Orgel und Improvisation an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.
Seit März 2016 ist er Professor für Orgel an der Schola Cantorum Basiliensis.
Nicoleta Paraschivescu

unterrichtet Orgel an der Musik-Akademie Basel (AMS) und ist Organistin an der Theodorskirche in Basel. Sie ist Preisträgerin 2016 der hibou-Stiftung und promovierte 2015 an der Universität Leiden (NL). Orgel studierte sie an der Musikhochschule Gheorghe Dima in Cluj-Napoca und erweiterte danach ihre Ausbildung mit einem Studium der Alten Musik an der Schola Cantorum Basiliensis in den Fächern Orgel bei Jean-Claude Zehnder und Cembalo bei Andrea Marcon. An der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart schloss sie ihr Künstlerisches Aufbaustudium ab. Weitere wegweisende musikalische Impulse erhielt sie von Enrico Baiano in Neapel. Sie ist Leiterin des Ensembles La Floridiana, mit dem sie für das Label SONY (dhm) bereits zwei CDs mit Welterst-Einspielungen der Haydn-Schülerin Marianna Martines (1744-1812) aufgenommen hat. Weitere CD-Aufnahmen für audite, Guild und Gallo. Ebenso kam es zu Live- Mitschnitten ihrer Auftritte. Konzerte führten sie in verschiedenen Ländern Europas und an renommierten Festivals. Ihre CD «Partimenti napoletani» ist 2018 bei SONY (dhm) erschienen. Anfang 2019 ist die Monographie «Giovanni Paisiellos Partimenti: Wege zu einem praxisbezogenen Verständnis» (Schola Cantorum Basiliensis Scripta6, Schwabe Verlag) erschienen. www.nicoletaparaschivescu.com, www.partimenti.ch
Gregor Simon

studierte Kirchenmusik (A) in Saarbrücken und München sowie Musiktheorie und Gehörbildung in Detmold. Er war 1997 bis 2001 Dekanatskantor und Kirchenmusiker in Stuttgart und 2002 bis 2012 Kirchenmusiker in Laupheim, seit 2008 auch Dekanatskantor der Dekanatsregion Ochsenhausen-Illertal.
Seit 2013 ist er als freiberuflicher Organist, Chorleiter und Komponist tätig. Im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart betreut er als Kustos die historische Holzhey-Orgel im Münster Obermarchtal. 2014 gründete er den Konzertchor Oberschwaben. 2015 übernahm er die Leitung des Oratorienchor Ravensburg und 2018 zudem des Kirchenchores in Obermarchtal.
Es erschienen folgende CD-Einspielungen von Gregor Simon:
2008: Berühmte Orgeln u. a. in Ulm und Weingarten
2012: Die Silbermann-Orgeln in Dresden und in Villingen
2016: Die Holzhey-Orgel im Münster Obermarchtal
Als “Orgelimprovisation zum Stummfilm” erschien 2019: die DVD “Our hospitality”, ein Stummfilm von 1923 mit Buster Keaton. Seine Kompositionen wurden mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt im Jahr 2017 beim Kompositionswettbewerb des Deutschen Chorverbands mit „Verleih uns Frieden“ für Chor und Orgel den 2. Preis und mit „Linguis omnium“ für Orgel 2020 den 3. Preis beim Carl von Ossietzky-Kompositionswettbewerb. Kompositionen von Gregor Simon sind veröffentlicht unter anderem in den Verlagen Bärenreiter, Carus und Strube.
Matthias Wamser

studierte zunächst in der Abteilung Kirchenmusik der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart (bis zur A-Prüfung 1996), sodann an der Schola Cantorum in Basel (im Rahmen eines Aufbaustudiums bis 1999). Zu seinen Lehrern gehören Chr. Bossert, W. Jacob und J.-Cl. Zehnder (Orgel), W. Bezler und R. Lutz (Improvisation). Er ist als Chorleiter, Organist und Cembalist in den Regionen Basel und Zürich tätig; von 2008 bis 2013 war er Organist der reformierten Kirche Wallisellen ZH. Seit 2009 ist er Vorstandsmitglied des Zürcher Kirchenmusikerverbands, seit 2013 Kantor und Organist der Basler Antoniuskirche, seit 2014 Leiter des chor rüschlikon und seit 2015 Vorstandsmitglied des Kirchenmusikverbands im Bistum Basel. Sein besonderes Interesse gilt der Orgelmusik des 20. Jahrhunderts, zu der er Vorträge und Publikationen vorgelegt hat. Im Rahmen seiner Konzerttätigkeit hat er zahlreiche Uraufführungen gespielt und mit renommierten Ensembles zusammengearbeitet (u.a. Südfunkchor Stuttgart, Basler Sinfonieorchester), auch bei CD- und Rundfunkproduktionen (SWR, MDR, BR, SRF). Als freier Mitarbeiter einiger Musikverlage betreut er Editionen alter und neuer Musik.
Eintritt frei, Kollekte



