Verein Orgelmusik St. Peter

Musikalische Exequien

Konzert „Die Orgel im Dialog..."

Montag, 17. November 2025, 19:30 Uhr

Vokalensemble I Sestini
Leonardo Bortolotto, Gambe
Ekaterina Kofanova, Orgel
Joachim Krause, Leitung

Werke von Schütz, Buxtehude, Rachmaninow

Konzertprogramm

Heinrich Schütz 
1585 – 1672

Musikalische Exequien, Teil 1:
Concert in Form einer teutschen Begräbnis-Messe:
Nacket bin ich vom Mutterleib gekommen, SWV 279 

Dietrich Buxtehude
1637 – 1707

Ciacona in e BuxWV 160
Von Gott will ich nicht lassen BuxWV 220
Von Gott will ich nicht lassen BuxWV 221
Präludium in e BuxWV 142

Sergei Rachmaninow
1873 – 1934
Vesper Op. 37 (Fragmente)
Konzertinformationen

Heinrich Schütz gilt als erster deutscher Musiker von europäischem Rang und die „Musicalischen Exequien“ (so die Originalrechtschreibung) als sein berühmtestes und beliebtestes Werk (gemessen an der Zahl der Aufnahmen und Aufführungen), ein Werk von ganz aussergewöhnlicher musikalischer Qualität und epochaler Bedeutung. 1585 in Thüringen geboren, gelangte Heinrich Schütz zuerst nach Kassel, wo er am Hof des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel ausgebildet wird. Bei Giovanni Gabrieli in Venedig wird er anschliessend in die Kunst der venezianischen Mehrchörigkeit eingeweiht. Schliesslich wird Schütz Kapellmeister am kurfürstlich-sächsischen Hof in Dresden. Ein halbes Jahrhundert wirkt er damit an einem der bedeutendsten und glanzvollsten Fürstenhöfe Mitteleuropas und ist einer der gefragtesten Musiker seiner Zeit.
Doch das Leben des Heinrich Schütz ist auch geprägt von Not und Elend. Um ihn herum wütet der Dreissigjährige Krieg, die Pest grassiert, und Schütz verliert nach kurzer Ehe erst seine Frau, später fast seine ganze Familie. Der Tod ist eine allgegenwärtige Erfahrung, künstlerisch gespiegelt in den „Musikalischen Exequien“.
„Exequien“ kommt von exsequi, hinausgeleiten, und meint seit alters her den Trauerzug mit dem Sarg zum Grab mitsamt der Musik, die dabei erklingt. Der verstorbene Fürst Heinrich Posthumus Reuß (1572–1635) hat seine eigene Begräbnisfeier minutiös zu Lebzeiten geplant: Er hat den Prediger beauftragt und seinen Sarg mit vielen Bibelstellen und Choralstrophen „zieren“ lassen. Ebendiese Texte hat Heinrich Schütz in fürstlichem Auftrag vertont. Das Ergebnis ist eine der berühmtesten Trauermusiken, eine Art „Deutsches Requiem“ aus dem 17. Jahrhundert. Der Komponist selbst schätzte dieses Auftragswerk so hoch ein, dass er es unter seine „Hauptwerke“ (als Opus 7) aufnahm.
Schütz vertont die Texte zwar in der Art und Weise, wie sie auf dem Sarg erscheinen (dort ist jedem Choral ein Bibeltext zugeordnet), doch unterscheidet er deutlich zwischen Bibelversen und dem Choral, dessen Text stets einer vollen sechsstimmigen Capella übertragen wird, wohingegen die Bibelstellen je nach Textinhalt einzelnen Solisten oder zwei bis sechs Gesangsstimmen zugeordnet werden. Dabei macht er sich die sprechende Musik des italienischen Frühbarocks zu Eigen. Beispielsweise wird Alter mit tiefen Stimmen ausgedrückt, auch die Müh' und Pein des Lebens stellt er durch schleppende Musik mit vielen Pausen dar. Diese gleichzeitig emotionale und bildhafte Art, Worte in Töne zu fassen trägt mit Sicherheit zu dem unmittelbaren, starken Eindruck dazu bei, dem sich kaum ein Zuhörer zu entziehen vermag.

In den Exequien wird ein bewegendes Drama um Sterben, Vergänglichkeit und Tod aufgeführt, in dem umso strahlender die Gewissheit Ausdruck findet, dass der Verstorbene – und mit ihm die anwesenden Glaubenden – ewiges Leben bei Gott haben werden. Vom Glauben an die Auferstehung und daran, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, ist auch ein anderes berühmtes Chorwerk geprägt, das fast 300 Jahre nach den „Exequien“ entstanden ist: die Vesper Op. 37 von Sergei Rachmaninow.
Obwohl für seine epischen Sinfonien und für virtuose Klaviermusik geschätzt, schrieb der russische Komponist und Pianist die Vesper allein für menschliche Stimmen, im Einklang mit der Tradition der orthodoxen Kirche. Er komponierte das Werk Anfang 1915 innerhalb von weniger Wochen und bereits Anfang März konnte es in Moskau uraufgeführt werden. Das Publikum war davon derart überwältigt, dass trotz des Applausverbots bei geistlicher Musik geklatscht wurde.
Während man das Werk auf Deutsch gern verkürzend mit „Vesper“ betitelt, müsste es korrekt „Ganznächtliches Wachen“ heissen, da die Vesper nur die abendlichen Gebete umfasst. Die russisch-orthodoxe Kirche zelebriert das „Ganznächtliche Wachen“ vor Sonn- und Feiertagen, wobei die abendliche Vesper in das Morgenlob übergeht. Rachmaninow folgt dieser Zweiteilung und lässt nach einer epischen Einleitung zunächst den Abendgottesdienst mit seinem lyrischen und liedhaften Charakter folgen, dann der Morgengottesdienst. Dabei bezieht sich Rachmaninow auf die traditionellen russischen Kirchengesänge, die er mit Neuschöpfungen und seiner spätromantischen Klangsprache verbindet.

Als eine Art Brücke zwischen den beiden Vokalwerken erklingt Orgelmusik von Dietrich Buxtehude, dem berühmten Norddeutschen Barockkomponist und jüngeren Zeitgenossen von Schütz. Im Gegensatz zu Schütz, von dem keine Orgelmusik überliefert ist, hat Buxtehude in erster Linie als begnadeter Organist einen Ruhm erlangt, der weit über die Stadt Lübeck, wo er an der Marienkirche tätig war, hinausreichte. Freie Orgelwerke wie eine Toccata lassen sich nicht bestimmten Bibelstellen oder anderen Texten zuordnen, obwohl es auch hier reichlich „sprechende“ rhetorische Figuren gibt, deren Bedeutung seine Zeitgenossen viel besser entziffern konnten, als wir es heutzutage können. In den Choralbearbeitungen erreicht der Komponist einen Grad von Innerlichkeit und Intensität des Gebets, die sich mit den eindrucksvollen Trauergesängen von Schütz messen lassen können.

Über die Aufführenden

Das Vokalensemble I sestini wurde 2002 gegründet und wird seitdem von JoachimKrause geleitet. Die Sängerinnen und Sänger kommen aus den Regionen Basel und Zürich und bringen eine langjährige Chor- und Konzerterfahrung mit. Der Schwerpunkt des Ensembles liegt in der geistlichen und weltlichen Musik der Renaissance und des Frühbarocks, denen auch Werke aus jüngeren Epochen bis hin zu moderner Chormusik gegenübergestellt werden.
I sestini ist ein a-cappella-Chor, der sich in den letzten Jahren ein umfangreiches Repertoire erarbeitet hat. Ein grosses Anliegen des Ensembles ist es, die Werke der jeweiligen Zeit in ihren Ausprägungen, Klängen und Hörgewohnheiten lebendig werden zu lassen. Die intensiven, emotionalen aber auch heiteren Texte über die menschlichen Gefühlslagen wie Trauer, Liebesleid, Lebensfreude und Gläubigkeit wie auch zu Naturstimmungen machen den Reiz der frühen Musikepochen aus. Die klangliche Ausarbeitung dieser Musik, das Wissen um derer Eigenarten sowie der homogenen Klang zeichnen das Vokalensemble aus.

Joachim KrauseJoachim Krause wurde in Fulda (D) geboren. Im Rahmen des A-Kirchen-Musikstudiums mit anschliessendem Solistendiplom an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg i. Br. studierte er dort Chor- und Orchesterleitung. Ein Studium in Paris und Hospitanzen bei verschiedenen Dirigenten vervollständigten seine Ausbildung. Seit 1984 ist er Musikdirektor an der Heiliggeist-Kirche in Basel und seit 1986 Dirigent des Basler Bach-Chors. 1988 gründete er das Kammerorchester «Concertino Basel», das er bis 2000 leitete; zudem war er von 1995–1999 Leiter des Kammerchores «Vocapella Basel». 1996 übernahm er den traditionsreichen Gemischten Chor Zürich. Seit 2002 ist er musikalischer Leiter des Vokalensembles «I Sestini».

katjaEkaterina Kofanova ist Titularorganistin an der Peterskirche Basel und künstlerische Leiterin des Orgelvereins St. Peter. Als Organistin übt sie eine rege Konzerttätigkeit in der Schweiz, in Deutschland sowie anderen europäischen Ländern aus. Nebst dem breitgefächerten solistischen Repertoire, das sich von alter bis zu zeitgenössischer Musik erstreckt, gilt ihr besonderes Interesse der Kammermusik in verschiedenen Formationen. Zu ihren weiteren Schwerpunkten zählen Chorleitung und Orgelausbildung.
Ekaterina Kofanova studierte Orgel und promovierte in Musikwissenschaft am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau und erhielt anschliessend einen Lehrauftrag für Musikgeschichte und Orgel an der Musikakademie in ihrer Heimatstadt Minsk sowie eine Stelle als Organistin an der Belarussischen Staatlichen Philharmonie. Ihre Begeisterung für Orgelmusik und die Suche nach neuen künstlerischen Impulsen führten Ekaterina Kofanova nach Heidelberg für ein weiterführendes Orgelstudium bei Prof. Martin Sander. An der dortigen Hochschule für Kirchenmusik schloss sie ihr Solistendiplom mit Auszeichnung ab und absolvierte ihr kirchenmusikalisches Studium (A-Diplom). Ekaterina Kofanova nahm an Meisterkursen namhafter Interpreten teil und erhielt Auszeichnungen bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben.

Leonardo Bartolotto ALeonardo Bortolotto, aufgewachsen in Venetien, studierte in Castelfranco Veneto und an der Schola Cantorum Basiliensis. Beruflich tritt er als Gambist auf und gibt Einzel- und Ensembleunterricht für Viola da gamba. Ausserdem produziert er Audio- und Videoaufnahmen im Bereich der klassischen Musik.

 

Eintritt frei, Kollekte