Unter dem Sternenhimmel
Konzert „Die Orgel im Dialog..."
Pfingstmontag, 9. Juni 2025, 18:00 Uhr
Darina Ablogina, Flöte
Tobias Lindner, Orgel
Werke von JS Bach, Fauré, Boulanger, Weckmann, Mendelssohn, Stamm, Peyer, Alain, Vierne, Chaminade
Eintritt frei, Kollekte
Konzertprogramm
| Johann Sebastian Bach 1685-1750 |
„Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist“ BWV 667 |
|
Gabriel Fauré |
Fantaisie op. 79 |
|
Lili Boulanger |
Nocturne |
|
Matthias Weckmann |
Magnificat Secundi Toni |
|
Felix Mendelssohn Bartholdy |
Rondo Capriccioso op. 14 |
|
Hans-André Stamm |
Unter dem Sternenhimmel |
|
Tilius Peyer |
Toccata „Veni creator spiritus“ |
|
Jehan Alain |
Trois mouvements pour Flute et Orgue: |
|
Louis Vierne |
Communion |
|
Cécile Chaminade |
Concertino für Flöte und Orgel in D-Dur, op. 107 |
Konzertinformationen
Das Konzertprogramm sollte aufzeigen, auf welch beeindruckende Weise sich die musikalische Perspektive im 19. und 20 Jahrhundert verändert und wie sie gleichzeitig die Verbindung zu den nach wie vor wichtigen klassischen Traditionen aufrechterhält. Dabei trifft die Musik französischer Komponisten der Jahrhundertwende auf Werke des deutschen Barocks und der Romantik.
Das Programm präsentiert eine vielfältige Auswahl herausragender musikalischer Werke, die die einzigartigen Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten von Flöte und Orgel hervorheben. Die Stücke von Alain und Boulanger zeigen beispielsweise die Fähigkeit der Flöte, Naturgeräusche zu erzeugen, während Mendelssohns Rondo Capriccioso die Virtuosität und das technische Können der Flöte unter Beweis stellt. Fauré und Vierne sind bekannt für ihre impressionistischen Harmonien und atmosphärischen Klanglandschaften. Auf dem Gebiet der Alten Musik ist die Kombination von Flöte und Orgel dem Publikum wohlbekannt. Die Arrangements von Stücken aus dem frühen 20. Jahrhundert geben dem Publikum die Möglichkeit, den einzigartigen Klang dieser Epoche neu zu entdecken.
Französische Komponisten wie Gabriel Fauré und Jehan Alain begannen die traditionellen Grenzen der musikalischen Form und Harmonie zu erweitern. Dies fällt mit einer neuen Bewegung in der Musik zusammen, die nach einem ähnlichen Phänomen in der bildenden Kunst benannt ist: dem Impressionismus. Die impressionistische Musik konzentriert sich auf Stimmung und Atmosphäre und „vermittelt eher die Stimmungen und Emotionen, die das Thema hervorruft, als ein detailliertes Klangbild“.
Eine der bekanntesten Komponistinnen dieser Epoche ist Lili Boulanger, die im Alter von nur 24 Jahren starb. Boulanger wuchs in einer Zeit des musikalischen Wandels auf und ihre Musik kann leicht als postromantisch eingestuft werden. Boulangers Stil war dem Symbolismus näher als dem Impressionismus und ihre Musik ist durch die für den Symbolismus typische Unbestimmtheit und Unklarheit gekennzeichnet. Ein Grossteil von Boulangers Musik spiegelt das Gefühl der Isolation und Entfremdung wider, das im 20. Jahrhundert aufkam, aber sie offenbart auch ihre eigenen Kämpfe mit Depressionen und Einsamkeit, die durch ihre lange Krankheit verursacht wurden.
Cécile Chaminade, eine weitere sehr erfolgreiche Komponistin, Zeitgenössin von Camille Saint-Saëns und Charles Gounod, schrieb über ihren eigenen Stil: „Ich gehöre im Wesentlichen zur romantischen Schule, wie mein gesamtes Werk zeigt.“ Ihre Musik war während ihrer gesamten Karriere sowohl in der romantischen als auch in der französischen Tradition verwurzelt und wurde als melodisch, leicht zugänglich und leicht chromatisch beschrieben. Im Jahr 1913 wurde sie als erste Komponistin mit der Ehrenlegion ausgezeichnet. Ambroise Thomas sagte: „Dies ist keine Frau, die komponiert, sondern eine Komponistin, die eine Frau ist.“
Louis Vierne war Organist der Pariser Kathedrale Notre Dame und einer der grossen französischen Orgelkomponisten, berühmt vor allem durch seine monumentalen Orgelsymphonien. Seine Communion ist ursprünglich ein Orgelstück; in dem Arrangement übernimmt die Querflöte die Solostimme aus dem Orgelsatz.
Einer der bedeutendsten Komponisten der romantischen Epoche und ein wahres Highlight unseres Programms ist Felix Mendelssohn-Bartholdy. Er war ein deutscher Komponist, Pianist, Organist und Dirigent der Frühromantik. Robert Schumann bezeichnete Mendelssohn als „den Mozart des 19. Jahrhunderts, den brillantesten Musiker, der die Widersprüche des Zeitalters am deutlichsten erkannt und erstmals versöhnt hat.“
Das Konzertprogramm wird durch ein Stück für Flöte und Orgel vervollständigt, das von Hans-André Stamm komponiert wurde, der derzeit in Leverkusen lebt. Es widerspiegelt den Stil des Neoimpressionismus.
Umrahmt wird dies alles von solistischer Orgelmusik. Dem eröffnenden Orgelstück von Johann Sebastian Bach und der Toccata von Tilius Peyer liegt derselbe gregorianische Pfingsthymnus „Veni creator spiritus“ zugrunde. Beide Stücke erklingen im prächtigen Plenum der Orgel. Bachs Version entstammt der Sammlung der achtzehn grossen Leipziger Choräle, die er in seinem letzten Lebensjahrzehnt nochmal überarbeitet und zusammengefasst hat. Tilius Peyer ist ein der breiten Öffentlichkeit wenig bekannter und zurückgezogen lebender Basler Komponist. Seine Toccata im französischen Tongewand hat Lindner im Mai 2024 uraufgeführt.
Matthias Weckmann wurde 1616 in Thüringen geboren. Mit zwölf Jahren schickte ihn sein Vater zum Musikstudium nach Dresden, wo Heinrich Schütz persönlich seine Ausbildung beaufsichtigte und ihn 1633 zur Fortbildung zu dem Organisten Jacob Praetorius, einem Schüler von Sweelinck, nach Hamburg schickte. Weckmann kehrte 1636 nach Dresden zurück und wurde zum Organisten der kurfürstlichen Schlosskirche ernannt. Nach einem aufsehenerregenden Probespiel folgte 1655 seine Ernennung zum Organisten der Kirche St. Jacobi in Hamburg. Das Magnificat Secundi Toni zeigt seine Meisterschaft in der Komposition. Die vier Verse vertonen die Psalmodie in unterschiedlichen Stimmen und Stimmungen.
Aufführende
Darina Ablogina ist eine i
n Basel ansässige Spezialistin für historische Flöten. Sie ist Absolventin der Schola Cantorum Basiliensis und des Staatlichen Moskauer Konservatoriums, Preisträgerin des Wassenaer Wettbewerbs als Mitglied des Renaissance-Ensembles PHAEDRUS, Empfängerin des REMA-Preises und des Early Music America Scholarship. Sie wurde für die International Young Artist Performance in Antwerpen und das Orchestra of the Age of Enlightenment ausgewählt.
Darina Ablogina ist eine leidenschaftliche Orchester- und Ensemblespielerin. Sie hat zahlreiche Auftritte mit verschiedenen Orchestern in Europa als 1. Flötistin auf historischen Instrumenten mit den Orchesterwerken von Charpentier und Rameau, Lully und Purcell sowie der Johannes-Passion, dem Weihnachtsoratorium, der Matthäus-Passion, den Mozart-Konzerten als Solistin und im Orchester, den Beethoven-Sinfonien. Dazu kommen CD-Aufnahmen beim Label Aparte mit dem Orkester Nord.
Über sich selbst schreibt sie: „Ich bin Flötistin, Lehrerin, Kuratorin und Co-Moderatorin des @insight-reading enlightenment Podcasts. Ich liebe es, neue Horizonte meiner Musikalität und der Musikalität der Welt zu erforschen. Ich denke, dass Neugier uns in unserem Beruf voranbringt, sie hilft uns, die Motivation und Lebensfreude nicht zu verlieren.“
Tobias Lindner wurde 1975 in Deggendorf (Bayerischer Wald) geboren. Er erlernte das Orgelspiel bei Wolfgang Riegraf und Roland Götz.
Im Rahmen seines Kirchenmusikstudiums studierte er in Regensburg Orgel bei Karl Friedrich Wagner und in Freiburg bei Klemens Schnorr. Nach dem A-Examen in Freiburg schloss er das Diplom „Alte Musik“ an der Schola Cantorum in Basel „mit Auszeichnung“ ab. Er studierte dort bei Andrea Marcon Orgel und Cembalo, und bei Gottfried Bach Generalbass.
Lindner besuchte knapp 40 Kurse bei den grossen Namen der Orgelwelt, um mit möglichst vielen Facetten der Orgel und ihrer Musik in Berührung zu kommen. Er ist Preisträger verschiedener internationaler Orgelwettbewerbe (Innsbruck, Brügge, Nürnberg, Landau).
Seit 2002 ist Tobias Lindner hauptberuflicher Kirchenmusiker in Basel und hat an der dortigen Schola Cantorum einen Lehrauftrag für Generalbass und Cembalo. Zudem war er von 2004 bis 2016 Lehrbeauftragter für Orgel und Improvisation an der Musikhochschule in Hannover. Seit 2016 ist er Professor für Orgel an der Schola Cantorum Basiliensis.
Eintritt frei, Kollekte


