Verein Orgelmusik St. Peter

Bach und Corelli

Konzert „Die Orgel im Dialog..."

Montag, 31. März 2025, 19:30 Uhr

Leila Schayegh, Barockvioline
Jörg-Andreas Bötticher Orgel

Werke von JS Bach, Matteis, Corelli

Konzertprogramm

Johann Sebastian Bach
1685 - 1750

Sonata II A-Dur BWV 1015 (um 1725) 
(dolce) – Allegro – Andante un poco – Presto

Nicola Matteis junior
~1670 - 1737

Alia Fantasia a-Moll
(undatiertes Manuskript, Staatsbibl. Dresden, Schrank II)

Arcangelo Corelli
1653 - 1713

Sonata op 5, Nr.VI A-Dur
Grave – Allegro – Allegro – Adagio – Allegro

Johann Sebastian Bach

Praeludium in h BWV 869
(Wohltemperiertes Clavier I, Leipzig um 1722)

Arcangelo Corelli

Adagio aus dem Concerto grosso op. 6, Nr. 4 in D-Dur
(geschrieben um 1680, gedruckt Amsterdam 1714)

Johann Sebastian Bach

Fuga in h-Moll über ein Thema von Corelli BWV 579

Sonata VI G-Dur BWV 1019 (um 1725)
Allegro – Largo – Allegro – Adagio – Allegro

Konzertinformationen

Johann Sebastian Bach ist nie über die Grenzen Mittel- oder Norddeutschlands hinaus gereist. Und doch hat er wie kaum ein anderer die Musik seiner europäischen Zeitgenossen studiert und deren Schreibweise assimiliert. Nach seiner frühen Auseinandersetzung mit dem luxuriösen Cembalostil D’Angleberts oder Couperins, den farbigen Orgelwerken Lebègues oder De Grignys und deren Ornamentik war er zunehmend fasziniert von italienischen Komponisten wie Albinoni, Torelli, Corelli, Vivaldi, Bonporti und vielen anderen. Im Zentrum seines Interesses standen wohl zum einen kontrapunktische Aspekte und Satztechniken wie z.B. Sequenzbildungen, Fugentechnik, Zwischenspiele, zum anderen aber auch formale Fragen, wie die rasante Entwicklung der neuen Concerto-Formen, Arien und Rezitative. Darüberhinaus scheint Bach aber auch die Verzierungspraxis der Schule um Arcangelo Corelli aufmerksam studiert zu haben. In nahezu allen instrumentalen und vokalen Gattungen, in denen Bach komponierte, finden sich Spuren dieser freien, «willkürlichen» Manieren. Im Unterschied zu vielen seiner deutschen Kollegen notierte Bach diese Verzierungen, was ihm den Vorwurf einbrachte, seine Musik sei «schwülstig und verworren» (Scheibe 1738).
Viele dieser typischen melodischen Umspielungen können direkt auf die zweite Ausgabe von Corellis Sonaten für Violine und Basso Continuo, opus V zurückgeführt werden, die 1710 in Amsterdam erschienen ist, mit einem zweiten System in der Geigenstimme, «avec les ornements comme illes joue». Auch wenn in Bachs Notenbibliothek dieses Werk nicht nachweislich vorhanden war, können wir davon ausgehen, dass er es kannte, oder zumindest Abschriften davon gesehen hatte.
Corelli hingegen wird vom Wirken des mitteldeutschen Meister kaum Notiz genommen haben. Er steht wie ein Monolith im Zentrum der europäischen Musiklandschaft und veröffentlicht seine Violinsonaten op. 5 deshalb auch höchst selbstbewusst am 1. Januar 1700 in Rom. Dennoch sind sie im Grunde etwas retrospektiv, denn sie vereinen viele Sequenzen und Satzmodelle, die bereits im mittleren und späten 17. Jahrhunderts bekannt waren. Corellis Kunst besteht sicherlich auch genau darin, diese Sequenzen einerseits logisch und länger als bisher weiterzuführen und gleichzeitig auf vielfältige Arten zu variieren. So stellt sich oft ein Gefühl ein, das wir sonst eher von der Klassik her kennen: Bestimmte Abschnitte einer Komposition erscheinen uns vertraut, wir können uns schnell heimisch fühlen. Das wirklich Innovative scheint aber seine von vielen Zeitgenossen beschriebene und in den Manuskripten seiner Schüler gut dokumentierte, extrem verzierte Spielweise gewesen zu sein. Sie breitete sich über seine Schüler und Nachahmer in ganz Europa aus.
Unser Programm zum 340. Geburtstag des Thomaskantors will diesen Spuren nachgehen und durch die Gegenüberstellung der beiden Giganten– auf der Orgel und mit der Barockvioline – neue Einblicke in deren bis heute zutiefst berührende, unterschiedliche Tonsprache ermöglichen.

Text: Jörg-Andreas Bötticher

Über die Musizierenden

Leila Schayegh_PortraitLeila Schayegh gilt heute als einer der wichtigsten Namen in der internationalen Alten Musikszene. Auf der Bühne besticht sie durch eine grosse Expressivität und Energie, mit der sie das Publikum in ihr Spiel hineinzuziehen weiss. Ihr Repertoire reicht von den ersten Anfängen der Violinliteratur um 1600 in tiefer Brusthaltung bis weit in die Hochromantik hinein. Nebst dem Kernrepertoire um Bach, Vivaldi, Mozartoder Brahms setzt sie sich gerne für Werke ein, die zu Unrecht im Schatten der heute bekannten Namen stehen. So legte sie 2017 eine vielbeachtete CD mit den Sonaten von Carlo Farina vor und beendete 2020 zusammen mit La Cetra Basel die Gesamtaufnahme der Concerti von Jean-Marie Leclair, die enthusiastisch aufgenommen wurde und massgeblich dazu beigetragen hat, das Repertoire einem breiteren Publikum bekannt zu machen.
Als Solistin ist die international gefragte Künstlerin auf den Bühnen der grossen Festivals zu hören und leitet als Gast sowohl Ensembles für Alte Musik als auch moderne Orchester. Einladungen erfolgen beispielsweise vom Freiburger Barockorchester, Barokkanerne Oslo, dem Barockorchester Bogotà, der Tafelmusik Toronto, dem Australian Brandenburg Orchestra oder der Juilliard School New York. Kammermusikalische Zusammenarbeit verbindet sie mit Musikern wie den Cembalisten und Dirigenten Jörg Halubek und Vaclav Luks, ihrer Kollegin Amandine Beyer, dem Pianisten Christoph Berner, sowie Sängern wir Christoph Prégardien, Stephan MacLeod oder Lionel Meunier. 2019 gründete Leila Schayegh ihr eigenes Ensemble La Centifolia, mit welchem sie ihre Programme bis zur Orchesterbesetzung erweitert.
Schayeghs Aufnahmen werden regelmässig preisgekrönt – zu den Auszeichnungen zählen mittlerweile mehrfach der Diapason de l’année,der Diapason d’Or, der Editor’s Choice von Grammophone sowie die Bestenliste des Deutschen Schallplattenpreises. 2024 wurde sie zudem mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet.
Ihre Kenntnisse und Erfahrung gibt Leila Schayegh seit 2010 als Professorin an der Schola Cantorum Basiliensis weiter, wo sie als Nachfolgerin von Chiara Banchini eine Klasse für Violine in alter Mensur leitet und ihre Erfahrung an eine jüngere Generation weitergibt: eine grosse Expressivität basierend auf einer umfassenden Kenntnis der historischen Quellenlage.

Jörg-Andreas Bötticher ist Professor für Cembalo und Generalbass an der Schola Cantorum, Organist an der Predigerkirche Basel und künstlerischer Leiter der „Abendmusiken in der Predigerkirche“. Bötticher konzertiert als Solist und mit verschiedenen Ensembles, u.a. Altberg (Polen) und Voces suaves (Basel). Er publizierte zu den Themen Generalbass, Musikästhetik und zum Kantatenoeuvre Bachs. Seine CD-Aufnahmen dokumentieren sein Interesse für selten gehörte Komponisten, wie z.B. Alessandro Poglietti, Michelangelo Rossi und Gottlieb Muffat, Carlo Zuccari, Gaspard Fritz, sowie die jüngsten Einspielungen wie „Balthasar Erben“ (Abendmusiken Basel) oder „Come tomy Garden“ (Voces Suaves).
Verschiedene CDs wurden mit einem Diapason d’or ausgezeichnet, so u.a. die Einspielung der Sonaten für Violine und obligates Cembalo von J.S. Bach (zusammen mit Chiara Banchini) wie auch die Triosonaten von Caldara (zusammen mit Leila Schayegh und Amandine Beyer). Zusammen mit Elam Rotem betreut er die viel beachtete Webseite earlymusicsources.com. 2020 wurde er für seine langjährige Tätigkeit zwischen Forschung und Musikpraxis mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Basel ausgezeichnet.

www.jaboetticher.ch

 

Eintritt frei, Kollekte