Verein Orgelmusik St. Peter

In a World Unspoken

Konzert „Die Orgel im Dialog..."

Montag, 21. Oktober 2024, 19:30 Uhr

Raschèr Saxophone Quartet
Ekaterina Kofanova, Orgel

Werke von JS Bach, Pärt, Brahms, C Schumann, R Schumann, Borisova-Ollas

Konzertprogramm

Johann Sebastian Bach
1685 – 1750

aus Kunst der Fuge: Contrapunctus 1

Arvo Pärt
*1935

«Es sang vor langen Jahren» (Schweizer Erstaufführung der Fassung für Saxophonquartett)

Johannes Brahms
1833 – 1897

Präludium und Fuge a-Moll (Orgel)

Johann Sebastian Bach

aus Kunst der Fuge: Contrapunctus 1

Robert Schumann
1810 – 1856

Fuge über BACH Op. 60 Nr.1 (Orgel)

Arvo Pärt

An den Wassern zu Babel sassen wir und weinten (Schweizer Erstaufführung der Fassung für Saxophonquartett und Orgel)

Johann Sebastian Bach

An Wasserflüssen Babylon BWV 653 (Orgel)

Clara Schumann
1819 – 1896

Präludium und Fuge g-Moll (Bearbeitung Raschèr Saxophone Quartet)

Victoria Borisova-Ollas
*1969

In a World Unspoken (Saxophonquartett und Orgel)

Johannes Brahms
1833 – 1897

"O Welt, ich muss dich lassen" (Orgel)

Clara Schumann

Präludium und Fuge B-Dur (Bearbeitung Raschèr Saxophone Quartet)

Konzertinformationen

Der Ausgangspunkt zu der Kooperation zwischen dem Raschèr Saxophone Quartet mit der Organistn der Peterskirche Ekaterina Kofanova war der Wunsch, gemeinsam die Schweizer Erstaufführung der neuen Fassung Arvo Pärts „An den Wassern zu Babel“ in die Wege zu leiten. Mit Arvo Pärt, einem der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart, verbindet das Raschèr Saxophone Quartet eine langjährige Freundschaft. Aus dieser Freundschaft sind nicht nur Tonaufnahmen entstanden, bei denen der Komponist selbst anwesend und rege beteiligt war, sondern eben auch neue Fassungen einiger seiner bekannten Werke.
Auf Anregung von Arvo Pärt selber ist die von Andreas van Zoelen geschriebene Instrumentalfassung seiner Komposition aus dem Jahr 1984 „Es sang vor langen Jahren” entstanden.
Ein Saxophonquartett ist ein Klangkörper mit faszinierenden Möglichkeiten: Vom leisesten Hauch über warme singende Töne bis zum Klappern, Rauschen und vielen anderen Klangeffekten, die sich einer verbalen Beschreibung entziehen. Es entsteht eine eigenartige Atmosphäre, die in Kombination mit Orgel und durch den fantastischen Raumklang der Peterskirche noch verstärkt wird.
Es ist nicht verwunderlich, dass zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten das Saxophonquartett als Klangkörper für ihre konzeptuellen Werke einsetzen. So schrieb die in Stockholm arbeitende und mehrfach ausgezeichnete Komponistin Victoria Borisova-Ollas ihr Werk In a World Unspoken für Saxophonquartett und Orgel. Sie liess sich dafür durch Verse aus The Soldier des englischen Dichters Humbert Wolfe (1885 - 1940) inspirieren:
Entlang eines kalten Flusses in einer unausgesprochenen Welt,
gehen junge Männer zusammen, ausgehungert und schlank.
Und wenn sie sich einander zulachen, Stille wird nicht durchbrochen;
kein Klang entsteht, wie deutlich auch immer sie rufen.
Die Komponistin sieht diese Verse als eine Art Stummfilm, in dem vergangene Gestalten vor den Augen des Betrachters entlang huschen, quasi zu ihrem Gegenüber sprechen, laut rufen oder lachen, ohne dass der Zuschauer auch nur das Geringste von dem Gesagten wahrnehmen kann.
Musikalisch realisiert sie diese Welt des Unausgesprochenen dadurch, dass sie einzelne Klänge und Motive teils individuell, teils paar- oder gruppenweise durch die verschiedenen Instrumente ihrer Komposition hörbar macht und immer wieder erscheinen lässt, als seien es einzelne Worte oder Satzfragmente, die wie verschiedene Gespräche gleichzeitig ablaufen, von denen man glaubt, sie von den Lippen der Gestalten in der scheinbar stummen Welt abgelesen und verstanden zu haben.
Auch wenn das zeitgenössische Repertoire für das Raschèr Saxophone Quartet von grosser Bedeutung ist, beschränkt sich das Ensemble aber keinesfalls darauf. Durch seine zahlreichen Bearbeitungen von Klavier-, Ensemble oder Vokalmusik ist es dem Ensemble möglich, auch Werke aus Barock und Romantik aufzuführen, also aus der Zeit, als das 1840 von Adolphe Sax erfundene Instrument noch gar nicht existierte bzw. noch in Kinderschuhen steckte.

Lesen Sie mehr zu dieser speziellen Aufführung in einem Artikel von Ekaterina Kofanova in der Zeitschrift Musik & Gottesdienst vom September 2024:

Artikel in Musik & Gottesdienst

Über die Musizierenden
Raschèr Saxophone Quartet


Das Raschèr Saxophone Quartet ist ein professionelles Saxophonquartett in der klassischen Besetzung mit Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon. Aktuelle Mitglieder des Quartetts sind Christine Rall, Elliot Riley, Andreas van Zoelen und Oscar Trompenaars.
Seit seiner Gründung 1969 trat das Raschèr Saxophone Quartet regelmässig in den bedeutendsten Konzertsälen der Vereinigten Staaten, Asiens und Europas auf. Die „Wiener Zeitung“ nannte das Quartett die „ungekrönten Könige des Saxophons“ und die „Welt“ behauptete, „wenn es eine olympische Disziplin des virtuosen Bläserspiels gäbe, dann müsste das Raschèr Saxophone Quartet aus den USA unbedingt eine Goldmedaille erhalten.“
Das Ensemble setzt eine Tradition fort, die in den 30er Jahren von Sigurd Raschèr, dem Pionier des klassischen Saxophons und Gründer des Quartetts, begonnen wurde. Er regte viele Komponisten an, Stücke für ihn zu schreiben. In ganz ähnlicher Weise hat das Quartett über 350 Komponisten inspiriert, ihm Werke zu widmen, u.a.: Luciano Berio, Francesco Donatoni, Philipp Glass, Sofia Gubaidulina, Mauricio Kagel, Gija Kancheli, Sven-David Sandström, Fazil Say und Iannis Xenakis. Diese Komponisten waren begeistert von der einmaligen homogenen Tonqualität, der Virtuosität und der dynamischen Interpretation alter und neuer Musik der vier Musiker.
Bezüglich ihrer Bachinterpretationen schrieb der Musikwissenschaftler Ulrich Dibelius, dass, wenn das Raschèr Quartett Bach spielt, „die Musik eine seraphische Aura erhält – als hätten Orgel und Streichquartett sich miteinander vermischt.“ Zahlreiche Komponisten sind fasziniert von der Kombination der „Raschèrs“ mit Orchester. Auch dafür wurden mehr als 40 neue Werke komponiert und mit namhaften Ensembles aufgeführt.
Nebst den zahlreichen Aufführungen des Raschèr Quartetts und seiner Zusammenarbeit mit den weltweit führenden Orchestern, ist das Quartett mit vielen verschiedenen Instrumental- und Gesangsformationen aufgetreten, wie dem Calmus Ensemble Leipzig, den BBC Singers, den Chören des WDR und des NDR, dem RIAS Kammerchor, dem schwedischen Rundfunkchor, sowie dem Estonian Chamber Choir. Luciano Berio, Sofia Gubaidulina, ErkkiSven Tüür, Giya Kancheli und Maricio Kagel sind nur einige der klangvollen Namen auf der Liste der Komponisten, die für diese Kombinationen ausdrücklich für das RSQ geschrieben haben.
Das Raschèr Saxophone Quartet hat keine führende Stimme, sondern ist demokratisch organisiert.

Ekaterina Kofanova

ist Titularorganistin an der Peterskirche Basel und künstlerische Leiterin des Orgelvereins St. Peter. Als Organistin übt sie eine rege Konzerttätigkeit in der Schweiz, in Deutschland sowie anderen europäischen Ländern aus. Nebst dem breitgefächerten solistischen Repertoire, das sich von alter bis zu zeitgenössischer Musik erstreckt, gilt ihr besonderes Interesse der Kammermusik in verschiedenen Formationen. Zu ihren weiteren Schwerpunkten zählen Chorleitung und Orgelausbildung.
Ekaterina Kofanova studierte Orgel und promovierte in Musikwissenschaft am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau und erhielt anschliessend einen Lehrauftrag für Musikgeschichte und Orgel an der Musikakademie in ihrer Heimatstadt Minsk sowie eine Stelle als Organistin an der Belarussischen Staatlichen Philharmonie. Ihre Begeisterung für Orgelmusik und die Suche nach neuen künstlerischen Impulsen führten Ekaterina Kofanova nach Heidelberg für ein weiterführendes Orgelstudium bei Prof. Martin Sander. An der dortigen Hochschule für Kirchenmusik schloss sie ihr Solistendiplom mit Auszeichnung ab und absolvierte ihr kirchenmusikalisches Studium (A-Diplom). Ekaterina Kofanova nahm an Meisterkursen namhafter Interpreten teil und erhielt Auszeichnungen bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben.

Eintritt frei, Kollekte