Orgel im Dialog mit Blockflöte
Konzert
Montag, 24. September 2018, 19:30 Uhr
Maurice Steger, Blockflöte
Daniel Rosin, Violoncello
Ekaterina Kofanova, Orgel
Werke von JS Bach, Scarlatti, Mealli, Mancini, Händel
Eindrücke vom Konzert
Konzertprogramm
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Johann Sebastian Bach |
Sonate E-Dur für Blockflöte und basso continuo, BWV 1035 |
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Domenico Scarlatti |
Sonata C-Dur K. 513 für Orgel, Pastorale |
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Giovanni Antonio Pandolfi Mealli |
Sonata I "La Bernabea" aus: Sonate a Violino solo, opera quarta (Innsbruck, 1660) |
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Domenico Scarlatti |
Sonata C-Dur K.159 für Orgel |
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Francesco Mancini |
Sonata XI g-Moll für Blockflöte und basso continuo |
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Alessandro Scarlatti (zugeschrieben) |
Sonata No. 1 d-Moll für Violoncello und basso continuo |
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Georg Friedrich Händel |
Fuge a-Moll, HWV 609 für Orgel Sonata d-Moll, HWV 367a für Blockflöte und basso continuo |
Konzertinformationen
Obwohl Johann Sebastian Bach bereits in seinen früheren Jahren viel Kammermusik für verschiedene Instrumente komponierte, erwachte sein Interesse für die Flöte wohl erst zu seiner Leipziger Zeit. Dort hatte er offenbar mit einer ganzen Reihe fähiger Flötisten zu tun, was u.a. durch die hochvirtuosen Flötenpartien in seinen Kantaten und Passionen belegt wird. Ausserdem war er in dieser Zeit mit dem Dresdner Soloflötisten Gabriel Buffardin befreundet, der sicherlich auch als Interpret einiger seiner Werke in Frage kam. Die Sonate in E-Dur für Flöte und basso continuo schrieb Bach während des letzten Jahrzehnts seines Lebens. Eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert – es blieb keine originale Handschrift erhalten – lässt vermuten, dass er das Stück 1741 komponierte, als er auf Bitten eines Kammerherrn von Friedrich II., Michael Gabriel Fredersdorf, eine Reise nach Berlin unternahm. Wie der König selbst war Fredersdorf ein begeisterter Amateurflötist und unterhielt rege Kontakte zum wohl berühmtesten Flötenvirtuosen des 18. Jahrhunderts, Johann Joachim Quantz, der 1741 zum Kapellmeister am preussischen Hof ernannt wurde und Friedrich II. im Flötenspiel unterrichtete. Wenn Bach seine Sonate dem «Geheimen Kämmerier Fredersdorff» widmete, so kann man annehmen, dass diese Zueignung indirekt zugleich dem flötenspielenden König galt.
Mit Johann Joachim Quantz schlagen wir eine Brücke zum italienischen Teil des Programms. Dem Beispiel seiner berühmten Kollegen Hasse und Händel folgend reiste er im Jahr 1725 nach Neapel, in der Hoffnung, dort den grossen Alessandro Scarlatti persönlich kennenzulernen. Im frühen 18. Jahrhundert entwickelte sich Neapel zu einem der musikalischen Zentren Europas; gleich vier Konservatorien bildeten unzählige hochtalentierte Komponisten heran. Allerdings standen weder die Flöte noch andere Blasinstrumente bei Alessandro Scarlatti und seinen Schülern hoch im Kurs, bis es Quantz durch sein virtuoses Spiel gelang, den betagten Meister von den Vorzügen dieses Instruments zu überzeugen. Bereits 1724 war in London die erste Sammlung mit ausdrücklich für Blockflöte komponierten Sonaten eines Neapolitaners erschienen: «XII Solos for a violin or a flute» von Francesco Mancini, die ihn als einen versierten Kenner des Instrumentes zeigen. Diese Publikation, die wahrscheinlich durch die persönlichen Beziehungen Mancinis zum englischen Konsul in Neapel ermöglicht wurde, zeigt einmal mehr, wie beliebt italienische Musik in der englischen Hauptstadt zu Händels Zeiten war. Corelli wurde als der grösste Komponist überhaupt verehrt, und so hatten Mancinis Sonaten, die in ihrem Aufbau der von Corelli entwickelten Form entsprechen und in ihrer Melodik auf die italienische Oper zurückgreifen, sehr gute Aussichten auf Erfolg. Auch die Entstehungszeit der Sonate d-Moll von Georg Friedrich Händel liegt irgendwo zwischen seinem italienischen Aufenthalt und seinen ersten Londoner Jahren. Allerdings folgt er hier nicht dem viersätzigen Typus der Sonata da chiesa, sondern wählt die suitenartige Form einer Sonata da camera, mit einem freien Wechsel der im Tempo und Charakter kontrastierenden Sätze. Während seiner «Lehrjahre» in Italien wurde Händel stark von der Musik Alessandro Scarlattis beeinflusst. Mit dessen Sohn Domenico Scarlatti soll sich der gleichaltrige Händel einmal sogar duelliert haben: allerdings nur auf Tasteninstrumenten, ganz ohne Blutvergiessen. Händel siegte im Orgelspiel, Scarlatti, der damals schon mit zehn Fingern spielte (für diese Zeit noch ungewöhnlich) und durch seine Virtuosität das Publikum beeindruckte, entschied hingegen das Cembalospiel für sich. Nichts desto trotz lassen sich einige Sonaten von Scarlatti auch wunderbar an einer Orgel darstellen.
Der älteste und wohl am wenigsten bekannte Komponist in diesem Programm, Giovanni Pandolfi Mealli war bereits um 1660 ein Hofmusiker in Innsbruck, zu dieser Zeit ein Zentrum des europäischen Musiklebens. Dort entstanden seine 12 Sonaten «à Violino solo, per Chiesa e Camera», die jeweils nach einer Person aus dem privaten und beruflichen Umfeld des Komponisten benannt sind. Diese Sonaten sind höchst ausdrucksvoll und unvorhersehbar, ganz im Sinne des Stylus Phantasticus (des fantastischen Stils). Pandolfi verstand es, aus einfachsten Ideen neuartige und unverwechselbare Stimmungen entstehen zu lassen.
Ekaterina Kofanova
Über die Musizierenden
Maurice Steger

Der Blockflötist Maurice Steger ist ein ungemein charismatischer Musiker, spontan, mitreissend und voller Energie. Dem «Hexenmeister der Blockflöte» (The Times) gelang es dank seiner lebendigen Art, seiner intensiven Tongebung und einer staunenswerten Technik, die Blockflöte in ihren faszinierenden Formen als Instrument neu zu positionieren. Regelmässig kann man ihn – sei es als Solist, Dirigent oder in Doppelfunktion – mit den tonangebenden Originalklangensembles wie der Akademie für Alte Musik Berlin, Venice Baroque Orchestra, The English Concert, La Cetra oder I Barocchisti, als auch den führenden modernen Orchestern wie dem Zürcher Kammerorchester, dem Kammerorchester Basel und der NDR Radiophilharmonie erleben. Ausserdem tritt er mit Künstlerkollegen wie Cecilia Bartoli, Andreas Scholl, Nuria Rial, Bernard Labadie, Diego Fasolis oder Sol Gabetta auf. Neben der Alten Musik setzt er sich auch mit neuen Konzertformen und zeitgenössischen Kompositionen auseinander. Zahlreiche preisgekrönte, thematisch höchst fantasievoll konzipierte CD-Einspielungen bei harmonia mundi wie beispielsweise «Mr. Corelli in London», «Una Follia di Napoli», «Souvenirs d’Italie», «Baroque Twitter» belegen seit Jahren den singulären Rang dieses Künstlers.
Daniel Rosini
studierte während seiner Schulzeit modernes Cello in der Meisterklasse von Professor Peter Hörr in Bern. Künstlerische Impulse von Pieter Wispelwey, Heinrich Schiff, Wolfgang Boettcher und Janos Starker ergänzten die Ausbildung. Nach langjähriger Begeisterung für die Historische Aufführungspraxis führten ihn zahlreiche Projekte und zusätzliche Fortbildungen zu führenden Künstlern und Ensembles der europäischen Szene für Alte Musik und schliesslich an die Schola Cantorum Basiliensis zu Christophe Coin. Nach seinem Konzertexamen ist Daniel Rosin heute Solocellist und Kammermusiker, dessen Arbeit zu einem Teil durch Radioaufnahmen und Produktionen von Labels wie Deutsches Grammophon, Deutsche Harmonia Mundi, Olive Music, Christophorus und Glossa nachgezeichnet ist.
Ekaterina Kofanova
wurde 1973 in Minsk (Belarus) in einer musikalischen Familie geboren. Sie erhielt vielseitigen musikalischen Unterricht am Musiklyzeum in ihrer Heimatstadt, das sie 1991 mit Auszeichnung abgeschlossen hat. 1991 – 1999 studierte Ekaterina Kofanova Musikwissenschaft (u.a. bei Prof. Dr. Inna Barsova) und Orgel bei Prof. Alexei Parschin am Tschaikowsky – Konservatorium in Moskau. Nach ihrer Promotion in Musikwissenschaft erhielt sie einen Lehrauftrag für Musikgeschichte und Orgel an der Musikakademie in Minsk und eine Stelle als Organistin an der Belarussischen staatlichen Philharmonie.
Ekaterina Kofanova setzte ihr Orgelstudium bei Prof. Martin Sander an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg fort, wo sie ihr Solistendiplom mit Auszeichnung sowie ein kirchenmusikalisches Studium abgeschlossen hat. Anfang 2009 wurde sie als Kirchenmusikerin und Leiterin der Konzertreihe an der Friedenskirche in Bern gewählt. Seit März 2016 ist Ekaterina Kofanova Titularorganistin an der Peterskirche Basel.
Als Organistin übt Ekaterina Kofanova eine rege Konzerttätigkeit in der Schweiz sowie anderen europäischen Ländern aus. Sie nahm an Meisterkursen namhafter Interpreten teil und erhielt Auszeichnungen bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben. Ausserdem ist sie als Kammermusikerin und Chorleiterin aktiv.
Eintritt frei, Kollekte




















