Orgel im Dialog mit Tanz und Toccata
Konzert
Montag, 5. Juni 2017, 19:30 Uhr
Ekaterina Kofanova, Orgel
Werke von Lübeck, Scheidt, Rossi, JS Bach, Respighi, Heiller, Frescobaldi, Alain, Eben
Eindrücke vom Konzert
Konzertprogramm
|
Vincent Lübeck |
Präambulum in E |
|
Samuel Scheidt |
Variationen über eine Gaillarde von John Dowland |
|
Michelangelo Rossi |
Toccata quarta |
|
Johann Sebastian Bach |
Dorische Toccata BWV 538 |
|
Ottorino Respighi |
aus „Antiche Danze ed Arie“: |
|
Anton Heiller |
Tanz-Toccata (1970) |
|
Girolamo Frescobaldi |
Toccata per l'elevatione |
|
Jehan Alain |
Deux danses à Agni Yavishta |
|
Ottorino Respighi |
aus „Antiche Danze ed Arie“: |
|
Petr Eben |
aus „Vier Biblische Tänze“ (1992): |
Konzertinformationen
Tanz und Toccata sind die zwei Gattungen, die schon in der Renaissance am Anfang der selbständigen (d.h. nicht an vokale Polyphonie gebundenen) Musik für Tasteninstrumente standen. Beide dienten zuerst eher praktischen Zwecken: man begleitete mit seinem schwungvollen Spiel die Tänzer oder tastete sich in einer freien Improvisation durch verschiedene Tonarten und Spielfiguren, um sich selber in Einklang mit dem Instrument zu bringen und die Zuhörer auf die Musik einzustimmen. Es heißt ja nicht umsonst Toccata – vom italienischen toccare: „berühren, betasten, anfühlen“. Sehr schnell entstanden aber aus der angewandten Musik vielfältige kunstvolle Formen, die vor allem im Barock ihre Blütezeit erlebten. Durch italienische Meister inspiriert, entwickelten norddeutsche Komponisten ihre virtuose Toccata, die die technischen und klanglichen Möglichkeiten der Orgel bis an die Grenzen ausschöpft und in das klassische Satzpaar Toccata-Fuge bei Johann Sebastian Bach mündet. Von der Nordsee bis zum Mittelmeer prägt die Toccata die Orgelmusik während des ganzen Barockzeitalters.
Ein Tanz für Orgel? Orgelmusik sei doch so ernst und eher träge, um nicht zu sagen langweilig? Natürlich gab es Orgeln auch in privaten und öffentlichen Räumen, wo mitunter Tänze gespielt werden konnten (wie z.B. Variationen von Samuel Scheidt). Aber ein Orgeltanz in der Kirche, ist es überhaupt legitim? Ja – meinen moderne Komponisten. Immerhin war Tanz seit jeher ein wesentlicher Bestandteil der sakralen Handlungen; so sind Deux danses à Agni Yavishta von Jean Alain dem Feuergott aus der hinduistischen Mythologie gewidmet. Auch in der Bibel wurde getanzt – freudig, verführerisch, siegreich. Diese Szenen inspirierten den tschechischen Komponisten Petr Eben, der sich als tiefgläubiger Mensch bereits während der kommunistischen Zeiten immer wieder den biblischen Themen zuwandte, zu den farbenfrohen Tonbildern in seinen Biblischen Tänzen. Als eine humorvolle Hommage an die altehrwürdige Form „Präludium (Toccata) und Fuge“ kommt Prélude et Danse Fuguée von Gaston Litaize daher. Der Komponist greift den tänzerischen Duktus auf, der so manchem barocken Fugenthema eigen ist und übersetzt ihn in seinem leichtfüßigen Werk in eine moderne Tonsprache. Den Übergang von der alten Musik zur Moderne bilden „Antiche Danze ed Arie“ vom italienischen Komponisten Ottorino Respighi. Auf der Welle des allgemeinen Interesses für alte Musik in den 1920-er Jahren hat er eine Sammlung von Tänzen und Arien aus der Renaissance für modernes Orchester bearbeitet. Die Orgelfassung führt diese Musik sozusagen zu ihren Ursprüngen zurück.
Über die Musikerin
Ekaterina Kofanova
wurde 1973 in Minsk (Belarus) in einer musikalischen Familie geboren. Sie erhielt vielseitigen musikalischen Unterricht am Musiklyzeum in ihrer Heimatstadt, das sie 1991 mit Auszeichnung abgeschlossen hat. 1991 – 1999 studierte Ekaterina Kofanova Musikwissenschaft (u.a. bei Prof. Dr. Inna Barsova) und Orgel bei Prof. Alexei Parschin am Tschaikowsky – Konservatorium in Moskau. Nach ihrer Promotion in Musikwissenschaft erhielt sie einen Lehrauftrag für Musikgeschichte und Orgel an der Musikakademie in Minsk und eine Stelle als Organistin an der Belarussischen Staatlichen Philharmonie.
Ekaterina Kofanova setzte ihr Orgelstudium bei Prof. Martin Sander an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg fort, wo sie ihr Solistendiplom mit Auszeichnung sowie ein kirchenmusikalisches Studium abgeschlossen hat. Anfang 2009 wurde sie als Kirchenmusikerin und Leiterin der Konzertreihe an der Friedenskirche in Bern gewählt. Seit März 2016 ist Ekaterina Kofanova Titularorganistin an der Peterskirche Basel.
Als Organistin übt Ekaterina Kofanova eine rege Konzerttätigkeit in der Schweiz sowie anderen europäischen Ländern aus. Sie nahm an Meisterkursen namhafter Interpreten teil und erhielt Auszeichnungen bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben. Außerdem ist sie als Kammermusikerin und Chorleiterin aktiv.
Eintritt frei, Kollekte













