Die Orgel im Dialog mit J.S. Bachs Lehrern
Orgelkonzert
Montag, 27. Juli 2015, 19:30 Uhr
Lorenzo Ghielmi, Orgel
Werke von D. Buxtehude, G. Böhm, J.S. Bach und – hors concours – A.Pärt
Eindrücke vom Konzert
Konzertprogramm
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Georg Böhm |
Praeludium in C-dur |
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Johann Sebastian Bach |
Praeludium & Fuge in C Dur BWV 531a |
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Dietrich Buxtehude |
Choral „Nun komm der Heiden Heiland“ |
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Johann Sebastian Bach |
Choral „Nun komm der Heiden Heiland“ BWV 659 |
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Arvo Paert |
Annum per annum (K-G-C-S-A) |
Konzertinformationen
Meister sind noch keine vom Himmel gefallen. Auch Johann Sebastian Bach wäre ohne seine Lehrer und Vorbilder nicht geworden, was er ist. Eben diesen Lehrmeistern von J.S. Bach widmet Lorenzo Ghielmi, Professor an der Schola Cantorum Basiliensis, schwerpunktmässig sein Orgelkonzert in der Peterskirche. Angefangen bei Georg Böhm in Lüneburg, der den jungen Bach beim Übergang vom Knabensopran des Mettenchors zum Violinisten und Cembalisten begleitete – und den inzwischen 15jährigen für die Orgel zu begeistern wusste. Ghielmi würdigt sodann einen weiteren „Leuchtturm“ während Bachs Lehr- und Wanderjahren: Dietrich Buxtehude. Sein Ruf strahlte weit über Lübeck hinaus, sodass Bach den 250 km langen Weg von seinem ersten Wirkungsort in Arnstadt zu Fuss zurücklegte, um seinem Vorbild zu begegnen. Bach wäre übrigens beinahe Buxtehudes Nachfolger in Lübeck geworden, hätte er nur des Organisten Tochter heiraten mögen. Aber das ist eine andere Geschichte...
Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel (1714-1788) unternahm einiges, um den Ruf seines Vaters als autodidaktisches Genie zu festigen. So brachte er etwa den Bach-Biografen Nikolaus Forkel (1749-1818) dazu, einen wichtigen Abschnitt in Bachs „Nachruf“ zu ändern. Nämlich die Stelle in der Forkel beschrieb, wie J.S. Bach seinen Lehrer Georg Böhm in Lüneburg sowie die Komponisten Buxtehude, Reincken und Bruhns bewundert habe. Nach der Intervention von Carl Philipp Emanuel Bach war dann an dieser Stelle bloss noch von „einem Organisten in Lüneburg“ die Rede.
Gleichwohl darf man davon ausgehen, dass J.S. Bach tatsächlich bei Georg Böhm studiert hat. So wurden beispielsweise 2006 in der Weimarer Amalia-Bibliothek Abschriften von Orgelwerken entdeckt, die eindeutig vom jungen Bach angefertigt worden waren, und zwar auf Notenpapier aus dem Besitz von Böhm. Noten kopieren war damals Teil des Unterrichts. Zudem stand J.S. Bach noch zwanzig Jahre später in enger Verbindung zu seinem älteren Kollegen, der ithalf, die gedruckten Cembalo-Partiten seines ehemaligen Schülers zu vertreiben. Tatsächlich lässt sich Böhms Formensprache bei Bach weiter verfolgen. So klingt der Suiten-artige Stil in Böhms Partita „Wer nur den lieben Gott lässt alten“ auch wieder in Bachs Partita „O Gott, Du frommer Gott“ an. Und beide Kompositionen enden mit einer kleinen Choral-Phantasie. Auch Bachs Präludium BWV 531 erscheint stark von Böhm beeinflusst: harmonisch sehr einfach, aber mit strahlenden virtuosen Effekten, inklusive dem langen Pedalsolo zu Beginn des Stückes. Böhm konnte letzteres in seinem Präludium und Fuge in C-Dur übrigens erst 1714 einsetzen, als seine Orgel in der Johanniskirche endlich m zwei Pedaltürme erweitert worden war.
Unbestritten ist der grosse Einfluss, den Dieterich Buxtehude auf J.S. Bach hatte. Sonst hätte der junge Komponist kaum die 250 km von Arnstadt nach Lübeck zu Fuss in Angriff genommen, um en grossen Meister zu besuchen. Buxtehude war Organist an der Marienkirche in Lübeck und schrieb neben mehreren Orgelkompositionen auch viele geistliche Kantaten. Berühmt wurde der Lübecker Organist für seine ompositionsweise, die heute als „Stylus phantasticus“ bezeichnet wird. Das lässt sich trefflich aus seiner Toccata in d-Moll heraushören, die den Hörer immer wieder überrascht mit virtuosen Effekten und Wechseln zwischen Harmonie und Kontrapunkt.
Im heutigen Programm werden Buxtehudes und Bachs Bearbeitungen des Chorals „Nun komm der Heiden Heiland“ einander gegenüber gestellt. Lorenzo Ghielmi dazu: „Das ist zwar zugegeben ein Adventslied, aber so schön, dass man es auch im Sommer spielen kann. Und im übrigen ist ja die Urform dieses Chorals, der ambrosianische Hymnus Veni Redemptor Gentium in Mailand in meiner Kirche Basilica di San Simpliciano zum ersten Mal gesungen worden.“ Am Beispiel der beiden Orgelchoräle kann man die Entwicklung von Buxtehude zu Bach sehr schön nachzeichnen: Was bei ersterem als wunderschöne Miniatur daherkommt, wird bei Bach in eine Aria mit da capo und ostinatem Bass transformiert.0
„Annum per annum“ von Arvo Pärt
Auch der estnische Komponist Arvo Pärt ist, wie wohl jeder Kirchenmusiker, eng mit Bach verbunden. Sein Werk „Annum per annum“ entstand aus Anlass des 900jährigen Jubiläums des Doms zu Speyer. Ghielmi: „Die Schreibart ist sehr linear, fast geometrisch, die ganze Komposition ist ein typisches Beispiel, für die einfache und doch sehr tiefe Art und Weise, wie dieser sehr religiöse Mensch musiziert.“ Lorenzo Ghielmi hat das Werk 2008 auf seiner CD „Tintinnabulum“ eingespielt, mit der er die Brücke schlägt von der Musik des 16. Jahrhunderts bis in die Moderne. (Winter & Winter 910 055-2)
Über die Musizierenden
Lorenzo Ghielmi, Orgel
Lorenzo Ghielmi wurde 1959 in Mailand geboren. Seit Jahren widmet er sich dem Studium der Musik von Renaissance und Barock. Er konzertiert in ganz Europa, Japan und in den Vereinigten Staaten. Zahlreich sind seine Radio- und CD-Aufnahmen. Er ist Titularorganist an der Ahrend-Orgel zu San Simpliciano in Mailand. Ghielmi hat ein Buch über Nikolaus Bruhns veröffentlicht sowie Studien zur Orgelkunst des 17. und 18. Jahrhunderts und zum Werk J. S. Bachs. Er unterrichtet Orgel, Cembalo und Kammermusik am Institut für Alte Musik der Accademia Internazionale della Musica in Mailand sowie seit 2006 auch an der Schola Cantorum Basiliensis.
Eintritt frei, Kollekte















