Verein Orgelmusik St. Peter

Die Orgel im Dialog mit Frankreich

Konzert

Montag, 18. Juli 2016, 19:30 Uhr

Michel Bouvard, Orgel
Yasuko Bouvard-Uyama, Orgel
Werke zu drei und vier Händen: Charpentier, Du Mont und Mozart
Orgel Solo: Couperin, Racquet, Vierne, Alain und Jean Bouvard

Eindrücke vom Konzert

Konzertprogramm

Marc Antoine Charpentier
1643-1704

Prélude au Te Deum (à 3 mains)

Charles Racquet
1598-1664

Fantaisie

Henri Du Mont
1610-1684

Prélude en trio n°3 (à 3 mains)
Prélude en trio n°7 (à 3 mains)
Prélude en trio n°10 (à 3 mains)
Prélude en trio n°14 (à 3 mains)

Louis Couperin
1626-1661

Fantaisie n°26
Fantaisie n°12
Fantaisie n°59

François Couperin
1668-1733

Musètes de Choisi et de Taverni enchainées (à 3 mains)

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Divertimento en Si b majeur, K 240, pour 2 hautbois, 2 cors, 2 bassons (transcription pour orgue à 4 mains)
Allegro, Andante grazioso, Menuetto, Trio, Allegro

Jean Bouvard
1905-1996

Variations sur un vieux Noël français
Noël vosgien

Louis Vierne
1870-1937

Stelle pour un enfant défunt

Jehan Alain
1911-1940

Litanies (1937)

Konzertinformationen

Frankreichs erste Orgel wurde im 12. Jahrhundert in der Abtei „Fécamp“ installiert, dies allerdings so ziemlich gegen den Willen der Geistlichkeit. Doch die „Mode“ liess sich auch in Frankreich nicht aufhalten, bald war eine Kirche ohne die „Königin der Instrumente“ nicht mehr denkbar. Im Laufe der Jahrhunderte ging dann die französische Orgelbaukunst eigene Wege. So wurde in Frankreich nach den Revolutions-Zeiten die spätbarocke Cornet- und Grand-jeu-Orgel weiter entwickelt zur sogenannten „symphonischen“ Orgel. Dieser Orgeltyp wurde inspiriert durch die Instrumentierungs-Praxis in der Orchestermusik des 19. Jahrhunderts: Der Grundklang dieser Musik ist der Streicherklang, dazu treten – um musikalische Höhepunkte zu markieren – der Klang von Holz- und kräftigen Blechbläsern hinzu. Folglich kreierten französische Organisten eine neue Art „kirchlicher Orgelmusik". Diese neue Musik nennt man allerdings nur noch „Kirchenmusik", weil sie meist im Kirchenraum gespielt wird. Wie eine Feuersbrunst verbreitet sich dieser französische Orgelsound über die ganze orgelspielende Welt und fasziniert mit irdischen Sinnlichkeitskomponenten, welche die grosse Masse als solche erst nach langem Zögern erkennt.

In seinem Programm fürs Konzert vom 18. Juli legt Michel Bouvard allerdings – dem Sound unserer Silbermann/Lhôte-Orgel Rechnung tragend – den Schwerpunkt auf Orgelmusik aus der französischen Barockzeit. Aus dieser Zeit kennen wir eine ganze Reihe von Werken, die zu drei oder gar vier Händen gespielt werden müssen. Mit seiner Frau Yasuko Uyama-Bouvard hat Michel Bouvard die ideale Partnerin, um uns mit diesen selten zu hörenden Musikstücken bekannt zu machen.

Die beiden Bouvards haben auch die Transkription des Mozart-Divertimentos KV 240 aufs Programm gesetzt. Mozart an einem Abend mit französischer Orgelmusik? Das ist gar nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Denn beinahe wäre der Wolferl „Franzose“ geworden. Zumindest hatte ihm der König die Organistenstelle an der „Chapelle Royale“ angeboten (die sich Michel Bouvard heute mit drei Kollegen teilt). Aber Vater und Sohn Mozart sollen dankend abgelehnt haben, das sei nicht gut genug bezahlt. „Das ist noch heute der Fall“, kommentiert Michel Bouvard die hübsche Anekdote.

Über die Musizierenden
Yasuko Uyama-Bouvard, Orgel

ybouvardwurde in Kyoto/Japan geboren. Nach dem Erwerb ihres Diploms für Orgel an der Nationalen Hochschule der Künste in Tokyo siedelte sie 1976 nach Frankreich über. Hier vertieft sie ihre Kenntnisse in Cembalo- und Orgelmusik, erhält Orgelunterricht bei Edouard Souberbielle und Michel Chapuis sowie Weiterbildung am Cembalo bei Huguette Dreyfuss. Gleichzeitig beginnt sich Yasuko Uyama-Bouvard dank Francis Chapelet für die spanische Orgel zu begeistern. Später entdeckt sie auch ihre Vorliebe für das Pianoforte unter der Anleitung von Jos Van Immerseel am „Conservatoire National Supérieur des Musique de Paris“. Ihre Studien krönt Uyama-Bouvard ab mit zwei ersten internationalen Preisen für Orgel und Cembalo. Als gefragte Interpretin an allen Tasteninstrumenten tritt Yasuko Uyama-Bouvard sowohl als Solistin auf, als auch mit Ensemblen wie „Les Sacqueboutiers de Toulouse“ oder „A sei Voci“ etc. 2006 gündet sie ihr eigenes Ensemble „Le Salon Viennois“. Heute wirkt Uyama-Bouvard als Professor für Cembalo und Piano-Forte am Konservatorium von Toulouse und ist Titularorganistin an der Barockorgel der Kirche „St. Pierre des Chartreux“. Ihr musikalisches Schaffen ist auf zahlreiche CD-Aufnahmen dokumentiert.

Michel Bouvard

mbouvardkann auf eine über 30-jährige bemerkenswerte Karriere als Konzertorganist und Orgellehrer zurückblicken. Er gilt international als einer der bekanntesten Interpreten französischer Orgelmusik und hat in den letzten 25 Jahren mehr als 1000 Konzerte in Europa, Nordamerika und Asien gegeben. Dieses Jahr wird er gar vor mehreren Tausend Zuhörern das Eröffnungskonzert an der Konferenz der amerikanischen Organisten-Vereinigung in Houston/Texas spielen. Michel Bouvard ist seit 1996 Titularorganist der berühmten Cavaillé-Coll Orgel der romanischen Basilika St. Sernin in Toulouse. 2010 wurde er zu einem der vier Hauptorganisten in der Chapel Royal in Versailles ernannt. Das Orgelspiel liegt bei den Bouvards in der Familie. Entscheidend inspiriert und geformt wurde Michel von einem Grossvater Jean Bouvard, Organist und Komponist, der seinerseits Schüler von Louis Vierne war. Michel Bouvard wird denn an seinem Konzert in der Peterskirche auch zwei Kompositionen seines verehrten Grossvaters spielen. Michel Bouvard erhielt seine Grundausbildung am Konservatorium in Paris, wo er auch den Orgelunterricht bei Jean Boyer, Francis Chapelet und Michel Chapuis genoss. 1983 gewann er den ersten Preis des internationalen Orgelwettbewerbs in Toulouse, was zugleich den Start seiner Karriere als Solist und Lehrer markierte. 1985 übernahm er die Leitung der Orgelklasse am Konservatorium Toulouse. Wie seinem Vorgänger Xavier Daresse war es ihm immer eine Herzensangelegenheit, die Region Toulouse in seine Tätigkeit einzubeziehen. Seine Bemühungen kulminierten 1996 in der Gründung des internationalen Festivals „Toulouse les orgues“, das er sieben Jahre lang leitete. 1995 wurde Michel Bouvard zusammen mit seinem Kollegen und Freund Olivier Latry als Professor für Orgel ans Pariser Konservatorium berufen. Weitere Lehraufträge folgten 2013 und 2015 in den USA und 2016 in Tokyo.

Eintritt frei, Kollekte

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