Verein Orgelmusik St. Peter

Die Orgel im Dialog mit dem Streichquartett

Konzert

Montag, 29. Juni 2015

Eine Basler Erstaufführung

Aufgeführt werden sie zwar selten, aber es gibt tatsächlich Musikstücke, die ausdrücklich für Orgel und Streichquartett komponiert wurden. Darunter Gerard Bunks „Legende op. 55“, die Orgel- und Streicherklänge zauberhaft vermischt: Diese Komposition wird denn auch in unserem Konzert vom Sonos-Quartett dargeboten werden – unseres Wissens wohl erstmals in Basel.
Den Auftakt macht jedoch – wie könnte es anders sein – J.S. Bach mit „Contrapunctus 1“ aus „Die Kunst der Fuge“, gespielt einmal vom Streichquartett und danach von der Orgel. Mozarts Kirchensonate in C-Dur sowie das Divertimento in F mit Orgel werden sodann einige Quartettstücke aus Dvoraks "Zypressen" einrahmen.

Kazuki Tomita, Orgel

Sonos-Quartett mit Jiri Nemecek und Stefanie Bischof (Violinen), Martina Bischof (Viola) und Andrea Bischof (Violoncello)
Werke vom J.S. Bach, W.A. Mozart, A. Dvorak und Gerard Bunk

Eindrücke vom Konzert

Konzertprogramm

Johann Sebastian Bach
1685-1750

Kunst der Fuge: Contrapunctus 1
1. in der Version für Orgel
2. in der Version für
Streichquartett

Kazuki Tomita

Improvisation auf der Silbermann/LHôte Orgel

Wolfgang Amadeus Mozart 1756-1791

Kirchensonate in C-Dur KV 328
für Orgel und Streicher

Kazuki Tomita

Improvisation auf der Silbermann/LHôte Orgel

Gerard Bunk
1888-1958

Legende op. 55b
für Orgel und Streichquartett

Live klein weiss

Kazuki Tomita

Improvisation auf der Silbermann/LHôte Orgel

Antonin Dvorak
1841-1904

Sätze aus den „Zypressen“
für Streichquartett

Kazuki Tomita

Improvisation auf der Silbermann/LHôte Orgel

Wolfgang Amadeus Mozart 1756-1791

Divertimento in F-Dur KV 138
(mit der Orgelstimme)

Konzertinformationen
„Was möglicher Weise über ein Fugenthema gemacht werden könne“

Johann Sebstian Bachs Zyklus „Kunst der Fuge“ (BWV 1080) hat in der Vergangenheit vielen Musikwissenschaftlern Rätsel aufgegeben. Mit dem Werk, einer Sammlung von vierzehn Fugen und vier Kanons, solle anschaulich vermittelt Contrapunctus 1 BWV 1080werden, „was möglicher Weise über ein Fugenthema gemacht werden könne“, schrieb der erste Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel. Und „Die Variationen, welche sämmtlich vollständige Fugen über einerley Thema sind, werden hier Contrapuncte genannt.“ Doch weder in Bachs Autographen aus den Jahren 1742-1748 noch im Erstdruck von 1751 (ein Jahr nach dem Tod des Komponisten) finden sich Angaben zur Instrumentierung des Werkes. Folglich wurde viel über die von Bach ursprünglich intendierte Besetzung spekuliert. Die Partiturnotation (jede Stimme auf einer Zeile, vgl. Abbildung) stützte lange Zeit die Vermutung, der Zyklus sei für vier einzelne Instrumente geschrieben worden. Andererseits war die Partiturnotation polyphoner Tastenmusik seit Scheidt und Frescobaldi nicht ungewöhnlich. Kommt dazu, dass das Werk durchgängig zweihändig spielbar ist. Somit ist heute ziemlich unbestritten, dass Bach die „Kunst der Fuge“ ursprünglich für Klavier oder Cembalo geschrieben hat. Wobei sich bis ins 20. Jahrhundert die These hielt, das Werk sei nicht eigentlich zur  Aufführung, sondern lediglich zum Studium bestimmt gewesen. Erst mit der Bearbeitung für Orchester, Orgel und Cembalo durch Wolfgang Graeser wurde 1927 der Bann gebrochen, der bislang die „Kunst der Fuge“ vom öffentlichen Musikleben fernhielt. Seither wird bis heute immer wieder mit den verschiedensten Besetzungen für jede denkbare Instrumentalgruppe experimentiert. Es existieren Bearbeitungen für Saxophon-Quartett, Blechbläser, Synthesizer oder auch klassische Gitarre. Aus naheliegenden Gründen hören wir den Contrapunctus 1 aus der „Kunst der Fuge“ heute je einmal in der Version für Orgel und Streichquartett.

„Besonders gefällt mir die ruhige plastische Anlage des Ganzen“

Aufgeführt werden sie zwar selten, aber es gibt tatsächlich Musikstücke, die ausdrücklich für Orgel und Streichquartett komponiert wurden. Darunter Gerard Bunks „Legende op. 55“, die Orgel- und Streicherklänge zauberhaft vermischt: Diese Komposition wird denn auch im heutigen bunkKonzert vom jungen japanischen Organisten Kazuki Tomita zusammen mit dem Sonos-Quartett dargeboten werden – so weit wir wissen Recherchen wohl erstmals in Basel. Albert Schweitzer (1875-1965) war restlos begeistert: „Besonders gefällt mir die ruhige plastische Anlage des Ganzen. Das wirkt so wohlthuend im Vergleich zu der Formlosigkeit und Unruhe, die jetzt für Orgelcompositionen in Gebrauch ist.“ „Legende“ nennt sich das Musikstück, das der „Urwald-Doktor“ und Organist Schweitzer mit seinem Lob überschüttete. Und Gerard Bunk (1888-1958) lautet der Name des Komponisten, der diese Legende (opus 29) niedergeschrieben hatte. Gerard Bunk studierte anfänglich Klavier in seiner Heimatstadt Rotterdam, in England, Bielefeld und Hamburg. Das Orgelspiel erlernte er weitgehend autodidaktisch, ein Angebot, zum Studium bei Max Reger nach Leipzig zu  kommen, nahm er zunächst nicht wahr. Beim Reger-Fest 1910 sprang er dann fürs Eröffnungskonzert ein und wurde von Reger darauf prompt als Lehrer ans Dortmunder Konservatorium empfohlen. Aufs gleiche Jahr geht auch seine  Freundschaft mit Albert Schweitzer zurück, dem Bunk – nach der „Legende“ – viele weitere seiner Orgelkompositionen zur Begutachtung übersandte. Gerard Bunk wirkte dann ab 1925 als Organist in Dortmund an der grossen  Walcker-Orgel der St. Reinoldikirche, die bis zu deren Zerstörung im Mai 1943 als Krönung der von Albert Schweitzer mitgetragenen elsässischen Orgelreformbewegung galt. Während dieser knapp 20 Jahre veranstaltete Bunk immerhin  insgesamt 528 (meist Orgel-) Konzerte in der St. Reinoldikirche. Heute werden wir allerdings nicht die von Schweitzer hoch gelobte Legende opus 29 hören, sondern ein späteres Werk gleichen Namens – und in ähnlichem Geist  komponiert –, nämlich die Legende op 55b aus den Jahren 1914/1945 für Orgel und Streichorchester oder Streichquartett. Albert Schweitzer hätte sicher auch an dieser Version seine Freude gehabt.

Mozart in der Kirche und in der Küche

Instrumentalmusik nahm im Gottesdienst des 18. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle ein. Wir wissen, dass Mozart sein verschollenes Trompetenkonzert KV 47c für die Einweihung der Wiener Waisenhauskirche geschrieben hat und dass er 1773 ein Violinkonzert im Gottesdienst der Theatiner aufgeführt hat. Unter der Bezeichnung „Kirchensonate“ oder „Epistelsonate“ sind 17 einsätzige Instrumentalkompositionen bekannt, teils schlichte Trios für zwei Violinen und Basso continuo, teils großzügige konzertante Sätze mit obligater Orgel. In Mozarts Brief vom 4. September 1776 an Padre Martini wird die Bezeichnung „Sonata al Epistola“ eingeführt und bei der Beschreibung des Ablaufs der Messe irrtümlich zwischen Credo und Offertorium eingeordnet. Sie gehört aber zweifellos zwischen Gloria und Credo. Merkwürdigerweise haben die übrigen Komponisten am Salzburger Dom das Genre nicht gepflegt. 1783, wenige Jahre nach Mozarts Übersiedlung nach Wien, verfügte der Erzbischof, dass die Epistelsonaten wieder durch vokale Gradual-Kompositionen ersetzt werden sollten. Wir bekommen heute die Kirchensonate KV 328 für zwei Violinen, Bass und Orgel zu hören. Als Divertimento (italienisch: Vergnügen/plural Divertimenti) bezeichnet man ein mehrsätziges Instrumentalstück. Dieses hat meist einen unterhaltsamen, heiteren bis tanzartigen Charakter und wird in unterschiedlicher Besetzung als „Tafelmusik“ bzw. „Freiluftmusik“ gespielt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war das Divertimento an europäischen Höfen weit verbreitet und beliebt. Das Divertimento nimmt vor allem in der Wiener Klassik im Schaffen von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart (als Beispiel sei das heute zu hörende Divertimento F-Dur, KV 138 genannt) sowie deren Zeitgenossen einen breiten Raum ein. Im 19. Jahrhundert völlig aus der Mode gekommen, wurde diese Musikgattung im 20. Jahrhundert von einzelnen Komponisten wieder aufgegriffen. Beispiele: das Divertimento für Streichorchester von Béla Bartók, das Divertimento für kleines Orchester von Paul Graener oder das Divertimento for Symphonic Band von Leonard Bernstein.

Musikalisches Porträt einer Jugendliebe

Es soll ja Menschen geben, die Streichquartette anstrengend finden. Das kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel, weil man sich an eigene klägliche Hausmusikversuche erinnert fühlt. Oder weil bislang das so genannte Dvorak kSchlüsselerlebnis fehlte, vielleicht eine Melodie, die sich nachsummen lässt. Innerhalb der Quartette von Antonín Dvorák (1841-1904) findet sich ein solches "Einsteigermodell" in diese höchste Disziplin der Kammermusik: "Die Zypressen". "Die Zypressen" sind so etwas wie Lieder ohne Worte. Die ersten Fassungen schrieb Dvorák noch für Klavier, erst die Endfassung widmete er dem  Streichquartett. "Die Zypressen" bestechen durch ihre mitunter lieblichen sogar süsslichen Melodien, die garantiert nicht den Anspruch der absoluten Musik für sich erheben wollen. Denn schliesslich handelt es sich bei diesen Liedern ohne Worte um ein Porträt der Jugendliebe des Komponisten. Dvorák vertonte zwischen 1865 bis 1887 darin eben nicht nur irgendwelche Gedichte, sondern einen Teil seiner Lebensgeschichte, seiner Lebenserfahrung: die unschuldige, zärtliche Liebe zur Sängerin Josefine Tschermaak. Vielleicht findet sich in der Musik sogar der eine oder andere Traum von einem übermütigen Tête-à-tête. Weil uns hier das musikalische Porträt einer jungen, vermutlich auch noch  hübschen Frau vorliegt, ergibt sich auch ein völlig anderes Klangerlebnis als beim herkömmlichen Streichquartett. Der Komponist (Bild) verzichtet auf beinahe sämtliche Gesetzmässigkeiten, die für gewöhnlich beim Streichquartett  gelten. Keine Kombination aus Hauptthema, zweitem Thema, Durchführung, Reprise, Coda, Stretta. "Die Zypressen" sind lyrische, bildhafte Musik.
(Sylvia Schreiber)

Über die Musizierenden
Kazuki Tomita, Orgel

Kazuki kKazuki Tomita wurde 1988 in Osaka / Japan geboren. Schon mit 14 Jahren erhielt er privaten Orgelunterricht. Als 18jähriger wechselte Kazuki Tomita an die Musikhochschule Osaka, wo er 2011 mit dem Bachelor für Orgel abschloss. 2013 siedelte Tomita nach Freiburg/i.Br. über und studierte bei Rudolf Lutz in Basel Improvisation. Momentan arbeitet er in Lübeck bei Arvid Gast an seinem Master-Diplom.

Jiri Nemecek, Violine

Jiri kJiri Nemecek wurde 1976 in Tschechien geboren. Sein Geigenstudium hat er in Brünn und Prag absolviert. Weitere Studien haben ihn nach Madrid und Basel gebracht. Seine Tätigkeit als Primarius des Bennewitz Quartetts (1998-2013) hat ihn auf die internationalen Bühnen gebracht und wurde mit mehreren Preisen gekrönt. Seit 2011 lebt Nemecek in Basel. Er tritt regelmässig mit dem Sonos Ensemble und als Gastkonzertmeister u.a. bei Basler Orchestern auf.

Stefanie Bischof, Violine

Stefanie kStefanie Bischof hat sowohl das Lehrdiplom, wie auch das Konzertdiplom an der Musikhochschule Basel, bei Thomas Füri und Raphaël Oleg mit Auszeichnung abgeschlossen. Sie ist Mitgründerin des Sonos Quartetts, das zwischen 2003 und 2006 intensiv bei Walter Levin und Sebastian Hamann geschult wurde. Seit August 2007 unterrichtet Stefanie Bischof an der Musikschule Reinach und seit 2008 zusätzlich auch in Münchenstein an der Musikschule und am Gymnasium. Neben dem Unterrichten gilt ihre grösste Leidenschaft der Kammermusik.

Martina Bischof, Viola

Martina kMartina Bischof hat schon früh ihre Liebe für die Bratsche entdeckt und erwarb 2007 in Basel das Konzertdiplom. Weitere Studien führten sie ans Mozarteum Salzburg, wo sie 2009 den Master mit Auszeichnung absolvierte. Martina Bischof hat in verschiedenen Orchestern als Solo-Bratschistin wie auch als Solistin wichtige Erfahrungen gesammelt, unter anderen im La Cetra Barockorchester Basel und dem Orchester der J.S. Bach-Stiftung unter Rudolf Lutz.

Andrea Bischof, Violoncello

Andrea kAndrea Bischof schloss ihr Studium in Basel bei Thomas Demenga mit dem Lehrdiplom mit kammermusikalischem Schwerpunkt ab. Nach dem Studiengang “Interpretation/Performance” erlangt sie am Conservatorio della Svizzera Italiana bei Robert Cohen das Konzertdiplom. Andrea Bischof Gründungs-Mitglied des Sonos-Ensembles und konzertiert auch regelmässig mit dem italienischen Pianisten Tonino Riolo.

Eintritt frei, Kollekte

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